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Reform des Schulsystems

Meine Theorie im letzten Artikel mag etwas weit hergeholt gewesen sein und es war auch nur ein Gedanke, der mir gekommen ist. Aber dass unsere Schulsysteme reformbedürftig sind, ist ein Thema, das mir sowieso am Herzen liegt (aufgrund eigenen schlechten Erfahrungen). Vorangeschoben sei, dass ich davon ausgehe, dass die Schulsysteme fast aller Länder der Welt in Grundsätzen identisch sind, weil sie nämlich fast alle staatlich betrieben werden.

Schulsysteme sind darauf ausgelegt, diejenigen zu belohnen und zu befördern, die gut auswendig lernen können. Das ist zwar grundsätzlich nicht falsch, aber lässt eben zu, dass viele Leute ohne einen Funken praktische/intuitive Intelligenz es weit bringen können, während Leute mit einer Lernschwäche früh hängen bleiben, was ihnen auch nicht gerecht wird. Man sollte endlich anfangen, das Schulsystem so umzubauen, dass die Schüler/Studenten früh auf das Berufsleben vorbereitet werden, anstatt unsinnig viel in Naturwissenschaften, Geisteswissenschaften und Kultur auswendig zu lernen. Dann würde auch die praktische Intelligenz an Bedeutung gewinnen. Aber damit es dazu kommen kann, muss zuerst das ganze Schulsystem privatisiert werden, denn nur dann haben die Schulen auch überhaupt einen Anreiz, sich diesen Bedürfnissen zu stellen. Dann würde man endlich mal den über 100 Jahre alten und längst nicht mehr zeitgemässen Lehrplan aus den Zeiten von Bismarck umbauen. Wann war es denn zum letzten Mal nützlich, Chemie, Physik, Biologie und Mathe 5-7 Jahre lang in der Schule zu lernen? Richtig, zu Zeiten der Industrialisierung (1870-1970). Damals benötigte fast jeder zweite Beruf diese Ausbildung. Bei den Zielberufen der Abiturienten wohl noch mehr, da die Gymnasien früher die Rolle einnahmen, die heute den Universitäten zukommt.

Heutzutage benötigt man dieses Wissen nur noch für jeden fünften Beruf, Tendenz stark sinkend. Die Menschen bräuchten heute viel mehr Wissen über die Ökonomie. Die heutige Wirtschaft fordert von den Menschen, dass sie mehrmals im Leben den Beruf wechseln, verstärkt selbständig agieren und innovativ sein sollen (siehe so ziemlich jede Stellenanzeige jenseits von Japan). Dies kann aber nur funktionieren, wenn die Menschen ein Grundverständnis über die Wirtschaft besitzen, damit sie wirtschaftliche Entwicklungen interpretieren und darauf reagieren können. Ansonsten kann man die „Lebensplanung“ gleich vergessen. Zum Beispiel wird die Rente der Zukunft aus privaten Finanzanlagen bestehen (egal was die Politiker oder verwirrten Ökonomen gegenteilig behaupten). Wie bei allen Dingen im Leben, z.B. Medizin, PC bedienen, Auto reparieren, kann man sich vor den grössten Schäden bewahren, wenn man ein Grundverständnis von der Materie besitzt. Bei vielen Themen ist das kaum möglich für den Durchschnittsbürger, wie z.B. bei der Medizin. Aber bei der Ökonomie schon. Denn entgegen der Meinung mancher Nobelpreisträger ist die Ökonomie eigentlich garnicht so schwierig zu verstehen.

Kritiker haben durchaus recht, wenn sie sagen, eine Privatisierung des Bildungswesens ist nicht praktikabel, weil sich zurzeit fast niemand den wahren Preis von Bildung leisten kann (ca. €5000/Jahr für Grundschule, €10000 für Sekundarstufe, über €20000 für Unis). Deswegen kann der Staat weiterhin die Rolle des Umverteilers spielen, um für möglichst grosse Chancengleichheit unabhängig von den finanziellen Verhältnissen der Familien zu sorgen. Aber er muss aufhören, die „Dienstleistung Schulbildung“ selbst anzubieten. Problematisch ist natürlich, dass in so einem „Drei-Parteien-System“ (Anbieter, Zahlender, Kunde) der Anreiz für den Staat stark ist, das System gleich wieder ganz zu verstaatlichen, so wie im deutschen Gesundheitswesen, wo ja auch das „Drei-Parteien-System“ herrscht.

Das bedeutet, der Staat darf Bildung nur subventionieren, aber nicht die ganze Kontrolle über die Bezahlung erlangen. Dann müssten aber Familien mit Kindern im Schulalter einen deutlich grösseren Anteil als bisher selber zahlen, während z.B. Rentner oder kinderlose Familien und Singles weniger zahlen würden. Man kann sich leicht vorstellen, dass dadurch der Anreiz Kinder zu haben noch geringer sein würde, was wiederum politisch unerwünscht ist. Warum eigentlich? Dann hätte man doch weniger Wähler zufrieden zu stellen…

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