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Der Finanzmarkt ist unser Freund, nicht Feind

Zur Zeit wird ja heftig auf den Finanzmarkt und seine Mitglieder eingedroschen. Aber bei aller Kritik über die Fehler, die gemacht wurden, darf man nicht vergessen, dass wir ohne Banken und Aktienmärkte noch in der Steinzeit leben würden (naja, zumindest im frühen Mittelalter).

Einfach ausgedrückt geht es beim Finanzsystem darum, dass alle Bürger ihr Vermögen bei einer Bank hinterlegen und die Banken dieses benutzen, um Kredite an die effizientesten Projekte zu vergeben. Abgesehen von der derzeitigen Krise, bei der übrigens ja nur ein Teil dieser Kreditallokation versagt hat (die Hypothekenbasierten Anleihen), funktioniert dieser Prozess in Deutschland auch sonst nicht besonders gut. So heisst es, Deutschlands Kapitalmarkt befinde sich auf dem Niveau von Israel (was in diesem Fall nichts Gutes bedeutet). Es steht einfach zu wenig Kapital für Firmengründungen zu Verfügung. Das liegt hauptsächlich daran, dass Deutschland keine “Aktienkultur” wie die USA, England oder auch Frankreich hat. Zur Zeit besitzen weniger als 13,5% aller Deutschen Aktien, während es in den USA meines Wissens um die 50% sind.

Und wer jetzt denkt “jaja, die Amerikaner haben ja auch deswegen ihr Vermögen durch die Krise verloren!”, der sollte den Mund halten und jetzt aufpassen:

Aktien gehen rauf und runter, und wieder rauf. Was jetzt verloren ist, kann nächstes Jahr wieder da sein. Zwar ist die Rendite von ganzen Aktienindizes, Beispiel USA, in den letzten 40 Jahren nur bei 6% pro Jahr gewesen. Staatsanleihen hätten über den selben Zeitraum vielleicht fast genauso viel bringen können. Aber immerhin passierten in diesen 40 Jahren zwei Ölkrisen, zeitweise hohe Inflation, Kollaps der alten amerikanischen Maschinenindustrie und drei schwere Aktiencrashes.

Norbert Blüm würde wahrscheinlich sagen: “ja was bringt mir denn 6% Rendite über 40 Jahre, wenn ausgerechnet in dem Jahr, in dem ich in Rente gehen will, der Aktienmarkt hopsen geht?”. Das ist sicher ein Problem. Es gilt die Regel, dass man mit zunehmendem Alter weniger in Aktien investieren soll, um solche Gefahren zu minimieren. Das verringert allerdings die Rendite kurz vor der Rente. Und daher komme ich zum wichtigsten Punkt: man muss die Aktiencrashs vermeiden! Klingt blöde und einfach, aber die meisten Leute haben keine Ahnung, wie man Aktiencrashs vorhersehen kann. Dabei ist es meiner Meinung nach möglich, wenn man folgende Punkte im Auge behält:

– Wie lange dauert der aktuelle Aktientrend (Aufschwung/Abschwung) schon an? Bei Aufschwüngen gibt es gewöhnlich kleinere Trends von 1 1/2 Jahren und grössere von 5-7 Jahren. Abschwünge sind kürzer und dauern meist nur 6-18 Monate. Wenn ich also sehe, dass der grosse Aufschwungtrend schon 5 Jahre alt ist, wird es Zeit, sich eine “Exit-Strategie” zurechtzulegen.

– Sind Aktien über- oder unterbewertet? Eine nicht zu beantwortende Frage, aber ich tu’s trotzdem: Kurs-Gewinn-Verhältnis (Englisch: P/E ratio) im Auge behalten. Ab 20 aufwärts wird’s Zeit für eine “Exit-Strategie”, ab 13 abwärts ist meist eine gute Gelegenheit, einzusteigen.

– Wie sind die wirtschaftlichen Aussichten? Das ist der schwierigste Part, aber auch der wichtigste. Man muss die Wachstumszahlen des eigenen Landes und der USA im Auge behalten und dort, genauso wie bei den Aktien, die Trends herauslesen. Konjunkturzyklen dauern gewöhnlich 5-7 Jahre (Zeit zwischen zwei Tiefpunkten). Gegen Ende des Zyklus kommt es mit schöner Regelmässigkeit zum Einbruch an den Aktienmärkten. Deutlich steigende Zinsen sind ein untrügliches Zeichen für ein bevorstehendes Ende des Zyklus.

Zusammenfassend kann man sagen, dass Aktien den belohnen, der sein Geld nicht 40 Jahre liegen lässt, sondern sich darum wenigstens etwas kümmert. Mühe wird eben belohnt, so wie es normalerweise auch sein sollte.

In einem anderen Post werde ich später noch darauf eingehen, warum es unbedingt notwendig ist, in Aktien, auch als Rentenersparnis, zu investieren.

PS: Ich stelle hier nur meine Meinung dar. Es handelt sich hier ausdrücklich nicht um einen Ratschlag, wie man investieren sollte.

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2 comments on “Der Finanzmarkt ist unser Freund, nicht Feind

  1. OK… or you can hide money in a tin can in the back yard.

    • That would bring you a negative return as high as the inflation rate. With the inflation risks due to current central bank policies, hiding money at home is probably the worst thing one can do.

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