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Die USA hat auch einen Sozialstaat

Es muss mal aufgeräumt werden mit dem Vorurteil, die USA sei ein grausam kapitalistisches Land ohne soziale Absicherung. Dieses Feindbild wird gerne von Europäern aufrechterhalten, um den eigenen maroden Sozialstaat zu rechtfertigen. Tatsache ist, dass unter den über 20 hochentwickelten Ländern der Welt keines ohne ausgeprägte soziale Absicherung zu finden ist. Die Unterschiede zwischen den Sozialsystemen sind viel kleiner als die meisten Leute denken. Also kommen wir nun zu den Fakten und stellen mal einen Vergleich an:

university spending

Die US-Regierung gibt für Unis mehr Geld aus als Deutschland, obwohl die USA neben Japan der einzige Industriestaat der Welt ist, der im grossen Stil auf private Unis setzt. Aber man hat sich dort ein Zwei-Säulen-System aufgebaut mit staatlichen Unis als billigere Alternative (weil steuerlich subventioniert). Des weiteren existieren zahlreiche steuerlich unterstützte Programme zur Vergabe von College-Krediten. Das ganze funktioniert nach dem Prinzip “studiere jetzt und bezahle in 10 Jahren, wenn du einen Job hast”. Wer jetzt denkt, dass Leute aus armen Familien sich nicht mal den Kredit leisten können, muss bedenken, dass auch in Deutschland nur wenige Leute aus armen Familien studieren gehen. Das liegt daran, dass diese Familien sich den grössten Kostenfaktor des Studierens nicht leisten können: Wohnen und Lebenshaltungskosten. Studiengebühren betragen in Deutschland 200-500 Euro, aber Miete und Essen allein kosten einen Studenten schon tausende Euro.

Noch garnicht erwähnt habe ich, dass fast genauso wie in Deutschland die allermeisten Grundschulen und High Schools staatlich sind und die Familien somit für 12 Jahre Schulbildung ihrer Kinder nix zahlen müssen.Deswegen sind die Primar- und Sekundarschulen in den USA auch so grottenschlecht.

Welcher Staat hat wohl die höchsten öffentlichen Ausgaben für Gesundheit?

health-care-spending2

Im Gegensatz zu Deutschland sind zwar alle Krankenversicherungen in den USA private Unternehmen, aber der Staat mischt sich auch dort mächtig ein. So wird z.B. Krankenversicherungen verboten, in mehreren Bundesstaaten aktiv zu sein, was den Wettbewerb einschränkt und die Kosten erhöht. Arbeitgeberfinanzierte Versicherungen werden steuerlich bevorzugt. Vor allem aber übernimmt die “solidarisch” finanzierte Medicare (aus Steuergeldern) die Krankenversicherung für Rentner und Medicaid die für Geringverdiener und Obdachlose.

In den USA gibt es auch eine staatliche Rentenversicherung, die Social Security. Sie funktioniert genauso wie die deutsche Rentenversicherung, nimmt aber nur 7,6% (statt 10% in Deutschland) vom Bruttogehalt des Arbeitnehmers in Anspruch. Wie in Deutschland zahlt auch in den USA der Arbeitgeber nochmal dieselbe Summe drauf. Die Ähnlichkeit darf einen nicht wundern, denn die Social Security wurde schon 1937 eingeführt. Deutschland hat das System 1957 unter Adenauer lediglich kopiert. Weil weniger eingezahlt wird, sind natürlich auch die Bezüge geringer, so dass man in den USA viel mehr privat spart als in Deutschland.

unemployment benefits

Man stelle sich vor, es gibt sogar eine Arbeitslosenversicherung in den USA! Allerdings muss ich warnen, dass die obige Grafik in die Irre führen kann, weil Vergleiche zwischen den weltweiten Systemen sehr schwierig sind. Wer mehr über die genauen Verhältnisse in den USA erfahren will, kann hier nachlesen. Grob gesagt sind die Bezüge 30-50% geringer als in Europa und werden auch häufig nur für ein halbes Jahr ausgezahlt.

Abschliessend kann man sagen, dass der einzige Unterschied zwischen den Industriestaaten in der Höhe der Sozialleistungen liegt. Vorhanden sind diese Leistungen überall. Dieser weltweite Konsens ist eigentlich recht erstaunlich, da doch viele dieser Sozialsysteme ein Fass ohne Boden sind und nicht den gewünschten Effekt erzielen. Aber dazu vielleicht ein anderes Mal mehr…

PS: alle Grafiken sind dem Magazin The Economist entnommen

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2 comments on “Die USA hat auch einen Sozialstaat

  1. bist du amerikaner?? weil das ist wirklich sehr optimistisch geschrieben. das sozialsystem gibt es übrigens schon seid der antike, das moderne sozialsystem (auch die rente) wurde von otto von bismarck kurz vor 1900 auf innenpolitischen druck der sozialisten in deutschland eingeführt. und ich finde es aufgrund der wirtschaftsleistung absurd die usa einen sozialstaat zu nennen, wenn z.b. arbeitslose selbst in polen ein besser abgesichertes leben führen dürfen, als ihre “kollegen” in den usa. es ist einfach wahnsinnig, dass neben all dem protz den man dort sieht, gleichzeitig so unglaublich viel armut herrscht. vorurteile hin oder her, fahr in jedes beliebige nachbarland von deutschland und nirgendwo findet man dort eine so hohe armuts und obdachlosenrate wie in den usa.

    die innenpolitik der usa hatte in ihrer gründungsphase sehr hohen einfluss vom calvinismus, was sich leider bis heute hält.

    • Ich habe Fakten aufgezeigt. Ähnliches vermisse ich leider in Ihrem Kommentar. Nationalitäten spielen keine Rolle; ob man über ein Thema informiert diskutieren kann, schon eher. Das Aufbauen von Argumenten auf arg subjektiv eingefärbte Anekdoten würde ich gelinde gesagt als “unwissenschaftlich” bezeichnen.

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