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Das große schwarze Loch

Dieser Post sollte unbedingt gelesen werden, weil dies das größte wirtschaftliche und gesellschaftliche Problem der nächsten 40 Jahre ist!

Das große schwarze Loch ist in der Öffentlichkeit besser bekannt als “Gesetzliche Rentenversicherung”. Jedes Jahr verschlingt dieses Loch circa 250 Milliarden Euro und spuckt zwar genauso viel wieder aus, aber eben ohne jegliche Rendite zu erwirtschaften. Es funktioniert nach dem “Umlageverfahren”, oder wie die Amerikaner es nennen, nach dem “Ponzi-Schema”. Man könnte es auch mit “Betrugsverfahren” übersetzen.

Charles Ponzi war ein Gauner, der in den USA in den 1910er Jahren eine kurze Zeit lang sehr reich wurde, weil er vielen Leuten Geld abgenommen hatte mit dem Versprechen, dass sie später eine tolle Rendite zurückbekämen. Damit dieser Trick funktionierte und überhaupt jemand darauf reinfiel, zahlte er einfach ein paar Leuten das Geld aus, was er von anderen eingenommen hatte. Solange das geheim blieb, dachten alle, es wären echte Gewinne. In Wirklichkeit hat er nur das Geld hin und her getragen. Schließlich landete er im Knast. Der Ponzi unseres Zeitalters heißt Bernard Madoff. Sollte es mich wundern, dass der Eintrag “Ponzi-Scheme” bei Wikipedia in alle möglichen Sprachen inklusive Bahaya Melasu (???), bloß Deutsch nicht, übersetzt wurde?

Nun aber zur Sache: Das Umlageverfahren funktioniert also prinzipiell genauso. Man nimmt Geld von der arbeitenden Bevölkerung ein und zahlt es noch im selben Monat an die Rentner aus. Das kann sogar gut funktionieren, wenn die Zahl der einzahlenden Personen stetig zunimmt (wie nach dem 2. Weltkrieg dank Baby-Boom) und die Wirtschaft gut wächst, so dass die Löhne der einzahlenden Personen viel höher sind, als was sie bei den Rentner waren, als die noch gearbeitet haben (so wie im Wirtschaftswunder nach dem 2. Weltkrieg).

Nur haben wir heutzutage das genaue Gegenteil: die Löhne sinken und die Zahl der einzahlenden Leute schrumpft wegen Überalterung der Gesellschaft und weil immer weniger Vollzeitjobs vorhanden sind. Somit ist das Rentensystem definitiv dem Untergang geweiht. Tatsächlich können die Beitragszahlungen schon heute nur noch 68% der Rente finanzieren, der Rest kommt von der Einkommensteuer.

Das dumme an der Sache ist, dass die Lösung dieses Problems verdammt schmerzhaft für die ganze Bevölkerung ist, denn man kann ja nicht einfach die Beitragszahlungen in das jetzige System stoppen und die heutige Rentnergeneration verhungern lassen! Ein Wechsel zu einer Rente mit Kapitalstock, wo jeder Beitragszahler selber seine Rente über 40 Jahre “zusammenspart”, würde daher so aussehen:

– Die arbeitende Bevölkerung würde circa 40 Jahre lang in zwei Rentensysteme gleichzeitig einzahlen, denn man müsste nicht nur 20 Jahre warten, bis die jetzigen Rentner mehrheitlich tot sind, sondern man müsste auch noch die Leute “durchfüttern”, die es nach einer solchen Reform nicht mehr schaffen, einen eigenen Kapitalstock im neuen System aufzubauen! Für die Arbeitnehmer unter 40 ist das Geld, was sie ins alte System einzahlen, für immer verloren (das ist es ja eigentlich im heutigen Zustand auch schon, da man ja im Gegenzug für die Beitragszahlungen nur das Versprechen erhält, dass in 40 Jahren jemand da sein wird, der dir die Rente bezahlt).

– Die Rentner müssten natürlich in den nächsten 40 Jahren Rentenkürzungen hinnehmen, damit die finanzielle Belastung durch den Systemwechsel nicht nur von den Arbeitnehmern getragen würde. Auch die Arbeitnehmer, die jetzt schon über 40 Jahre alt sind, müssten mit weniger auskommen, weil sie ihre Rente fast ausschließlich aus dem neuen System beziehen würden, wo sie aber in den restlichen 20-25 Jahren ihres Berufslebens nicht mehr genug Kapital ansparen können.

Trotz all dieser Probleme ist es besser, den Systemwechsel so früh wie möglich durchzuführen, denn die Probleme werden bloß noch größer, je länger man wartet und je älter die Bevölkerung wird. Rentnerarmut wird es so oder so in Zukunft viel mehr geben. Unter dem alten System, weil für meine Generation z.B. die prognostizierte Rendite bei MINUS 1%* liegt und unter dem neuen System, weil durch den Systemwechsel vorübergehend (für 40 Jahre) zwei Systeme finanziert werden müssten. Nach 40 Jahren allerdings hätte man ein neues System, welches nicht mehr auf Versprechungen (sprich: Betrug) basiert und eine vernünftige Rendite von 5-7% pro Jahr liefern könnte.

Um ein handfestes Beispiel zu liefern, wie groß die Unterschiede zwischen den beiden System sind, habe ich mit Hilfe des Bloomberg-Rentenrechners zwei Szenarien ausgerechnet (vereinfachtes Beispiel, weil hier beide Rechnungen von einer kapitalgedeckten Rente ausgehen, da sich Umlageverfahren nicht darstellen ließ):

1. Rente mit 0%-Rendite (-1,5% Rendite plus Inflation) bei 1.5% Inflation und 1.5% Einkommenswachstum.

2. Rente mit sehr vorsichtiger Annahme von nur 5% Rendite bei denselben sonstigen Annahmen.

Noch Fragen?

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2 comments on “Das große schwarze Loch

  1. Ein interessanter Beitrag, so habe ich das noch garnicht gesehen. Dann ist wohl Norbert Blüm der Maddoff der deutschen Rentenversicherung 😉
    Wichtig finde ich auch die Tatsache, dass das Kapitaldeckungsverfahren prinzipiell stabiler ist als das Umlageverfahren. Denn wenn konservativ investiert wird (z.B. Staatsanleihen), kann eigentlich nicht viel passieren. Die Beitragszahlungen an die Rentenversicherung schwanken dagegen erheblich; je nach Lage auf dem Arbeitsmarkt. In der Öffentlichkeit wird hingegen oftmals der Eindruck vermittelt, als wäre das Umlageverfahren so sicher wie das Amen in der Kirche und das Kapitaldeckungsverfahren beim nächsten Crash an der Börse dem Untergang geweiht.

    • Ich denke nicht, dass man bei der Rente immer mit dem Argument der Sicherheit kommen muss. Ist zwar verständlich, aber was bringt mir eine “sichere” Altersarmut? Im Leben ist nun mal nichts 100% sicher. Dafür gibt es VERsicherungen. Man könnte sich auch gegen den Ausfall des eigenen Rentenfonds versichern, meinetwegen sogar mit staatlichen Subventionen, damit möglichst alle versichert sind und Ruhe in der Bevölkerung herrscht.

      Faktum ist auch, dass selbst bei Börsencrashs wie im Oktober 2008 Rentner mit Kapitalrenten nicht so sehr zu Schaden kommen, wie es von Norbert Blüm gerne dargestellt wird. Zum einen investieren Menschen, die kurz vor dem Rentenalter stehen, weniger in Aktien und mehr in Anleihen, um das Risiko eines grossen Verlustes kurz vor der Rente zu reduzieren. Zum anderen muss man ja bei der Kapitalrente nicht alles auf einmal abrufen, sondern kann den Grossteil des Kapitalstocks während der Rente weiter wachsen lassen, so dass vorübergehende Verluste wieder ausgeglichen werden können.

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