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Beim japanischen Friseur/Coiffeur - 床屋

Ich war heute das erste Mal in Japan beim Friseur und ich glaub’ ich habe immer noch ein blödes Grinsen im Gesicht. So ein Grinsen, das man hat, wenn die eigene Zahlungsbereitschaft viel niedriger lag, als der subjektive Wert der Leistung, die man erhalten hat.

Aber bevor ich alle Details erzähle zähle ich erstmal auf, was ich aus Deutschland oder der Schweiz gewohnt bin. In Deutschland gibt’s ja seit ein paar Jahren Self-Service Friseurläden, wo man praktisch nur die Instrumente gestellt bekommt und dann selber an sich rumschnippeln darf. Das kostet dann auch nur €10 oder so, schliesslich ist ja der einzige Service, den man erhält, dass einem die Quittung ausgedruckt wird…

Normale Männerhaarschnitte kostet derzeit um die €20, glaub ich (war schon seit 3 Jahren nicht mehr in Deutschland beim Friseur). In der Schweiz kostet dasselbe ungefähr €32 und dauert eine halbe Stunde. Der Service ist dabei eigentlich derselbe, aber meine Erfahrung ist, dass man bessere Chancen hat, einen guten Haarschnitt und eine freundliche Bedienung zu bekommen (die Schweizer sind halt nunmal freundlicher ;-)).

Nun zu Japan: Ein Friseurgeschäft in Japan hat vermutlich viel höhere Kapitalinvestitionen, weil dort nämlich viel mehr Technik zum Einsatz kommt. Zum Beispiel die Stühle: Sie sehen aus wie die aufwändigsten Massagesessel mit elektrisch verstellbarer Lehne und Fussende. An jedem der ungefähr 10 Sitzplätze befindet sich ein Waschbecken, während es ja in Europa eher üblich ist, ein/zwei Becken hin und her zu fahren, je nach dem, wo man sie gerade braucht.

Der Haarschnitt an sich war schnell fertig, da die Japaner es offenbar nicht gewohnt sind, dass der Kunde etwas mehr als nur einen halben Zentimeter abgeschnitten bekommen möchte. Nach viel Überredungsarbeit habe ich einen Kompromiss bei etwas über einen Zentimeter ausgehandelt und aufgegeben. Jetzt verstehe ich, warum ein Kommilitone aus Kanada sich eine Stoppelfriseur hat machen lassen. Entweder ein bisschen zurechtschneiden oder alles ab. Was anderes kennt man hier wahrscheinlich nicht. Japaner gehen angeblich jede Woche zum Friseur.

Nach dem Haarschnitt begann aber erst die richtige Arbeit für die Angestellten (übrigens alles Damen): Haare waschen, Kopfmassage, Rückenmassage und eine Rasur. Allein die Massagen haben wahrscheinlich 15 Minuten gedauert. Manchmal wird man beinahe wie ein Schnitzel weichgeklopft, aber es ist fast immer angenehm. Dann wird der Stuhl auf Liegeposition gestellt und man liegt auf einmal unter den grellen Lichtern wie am OP-Tisch. Passenderweise hatte eine der Angestellten eine Gesichtsmaske auf (ist ja in Japan üblich, wenn man krank ist), so dass der OP-Eindruck perfekt war, als ihr Kopf im grellen Licht über mir schimmerte.

Nun brauchte es drei (!) Friseusen, um mir abwechselnd heisse Tücher über’s Gesicht zu legen, Rasierschaum aufzulegen, verschiedene Rasierklingen für verschiedene Gesichtspartien zu benutzen, und nach Menthol riechende After-Shave-Creme aufzutragen, welcher allerdings nicht after-shave, sondern mehrmals during-shave aufgetragen wird. Eine extra Creme ohne Alkohol schliesst die Rasur ab. Zwischendurch wurde mich auch noch ein Dampferzeuger vor die Nase gestellt. Natürlich wurden auch gründlichst die feinen Häärchen am Ohrläppchen und über den Augenbrauen rasiert.

Nach etwas über einer Stunde war dann alles erledigt. An der Kasse lag ein blaues A4-Formular, auf dem notiert wurde, was alles bei mir gemacht wurde, inklusive Markierungen an einer Skizze eines Kopfes, ähnlich wie in Krankenhäusern. Und nun der Grund, warum ich grinsen musste: alles zusammen hat es ¥4200 oder €32 gekostet! Man bedenke, dass in Japan kein Trinkgeld gezahlt wird! Für €32 haben sich 3 Leute fast permanent um mich eine Stunde lang gekümmert. In der Schweiz würde ich inklusive Trinkgeld wahrscheinlich über €40 bezahlen für die halbe Zeit, ein Drittel der Personalmenge und längst nicht die gleiche Vielfalt an Apparaten und Servicemethoden. Demnach ist es in Japan mindestens siebenmal günstiger als in der Schweiz (oder viermal als in Deutschland). Was für ein Deal!

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One comment on “Beim japanischen Friseur/Coiffeur - 床屋

  1. Yea, they probably found you very sexy, so they were willing to do all of that for you.

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