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Stuss ohne Ende

Erst hiess es vor ein paar Monaten, dass der Dollar wieder stärker werden wird, weil die USA bald als erstes sich erholendes Land die Zinsen wieder anheben werden. Diese Erwartung einer Zinserhöhung liess angeblich Geld in die USA strömen, um es dort zu höheren Zinsen anzulegen. Dann wurde am 28.01.2010 gemeldet: “Euro-Kurs fällt unter 1,40 Dollar”. Soweit so gut, der Dollar wird stärker. Ist ja auch erwartet worden, nich war? Nur die Begründung muss man sich anhören:

“Nach der Ankündigung der US-Notenbank, den Leitzins für “einen längeren Zeitraum” niedrig zu halten, ist der Kurs des Euros weiter abgesackt.”

Quelle: http://www.handelsblatt.com

Ja, was denn nun? Sinkt er oder steigt er, wenn die Amis die Zinsen erhöhen? Herausgewunden aus dieser Unlogik hat man sich mit dem Argument, dass der Entscheid nicht einstimmig gefällt wurde… Das macht’s für mich auch nicht logischer, aber gut.

Ich zeige dieses Beispiel, weil hieran schön gut zu erkennen ist, wie unsinnig es ist, kurzfristige Bewegungen an den Märkten mit so simplen Theorien zu begründen. Jeden Tag treffen auf den Märkten verschiedenste Akteure aufeinander, die aus völlig unterschiedlichen Gründen kaufen oder verkaufen. Zum Beispiel will die chinesische Regierung womöglich amerikanische Staatsanleihen kaufen, um die US-Wirtschaft am Leben zu halten und politische Macht zu gewinnen. Der riesige norwegische Rentenfond wird dagegen vielleicht eher auf die reine Rendite für die nächsten 5 Jahre schielen und verkaufen, weil man Angst vor dem amerikanischen Schuldenberg hat. Die deutschen Anleger wiederum werden vielleicht tatsächlich den Dollar kaufen, weil sie höhere Zinsen erwarten. Oder sie kaufen ihn vielleicht, weil sie wegen Griechenlands Pleite einen schwachen Euro erwarten.

All diese Meinungen treffen aufeinander und werden Tag für Tag abgewogen. Und soweit ich weiss, hat bis jetzt auch jede ökonomische Analyse gezeigt, dass Währungen in der kurzen Frist de facto völlig unvorhersehbar hin und her irren. Erst über längere Zeit, mehrere Jahre zum Beispiel, kann man Trends erkennen, die sich anhand weniger nachvollziehbarer Theorien erklären lassen.

Also, wenn mal wieder irgendein Heini im Internet oder im Fernsehen sagt, die Börse oder Dollar seien gesunken/gestiegen, weil heute dies oder jenes passiert ist… einfach nicht hinhören.

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