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Keine staatlichen Zuschüsse!

“Keine staatlichen Zuschüsse!”, das hat schon einer der Väter des Umlageverfahrens über die Rente gesagt, als sie 1957 von der Adenauerschen CDU-Regierung auf eben jenes Umlageverfahren umgestellt wurde. Wilfried Schreiber, geboren übrigens am 17. September ;-), hatte sich damals für die Umstellung stark gemacht.

Grundsätzlich war seine Theorie, warum das Umlageverfahren so toll sein soll, falsch, aber sein Kommentar zu staatlichen Zuschüssen in die Rentenversicherung ist treffsicher:

„Es ist ersichtlich sinnlos, dem Steuerzahler zunächst Einkommensteile in Form von Steuern abzunehmen und sie ihm dann mit der Geste des Wohltäters zurückzugeben. Machen wir Schluß mit diesem Gaukelspiel, das nur der falschen Optik der Staatsomnipotenz Vorschub leistet. Der Staat verlangt von uns Unternehmern mit Recht Bilanzklarheit und Wahrhaftigkeit. Wir verlangen mit demselben Recht Klarheit und Wahrhaftigkeit der volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung.“

Tja, offenbar hat ihm niemand zugehört, denn <fast forward> im Jahr 2010 wird ca. ein Drittel der gesetzlichen Rente durch Steuern finanziert (>90 Mrd.) und nur die restlichen Zweidrittel (ca. 180 Mrd.) durch Beitragszahlungen. Einfach ausgedrückt: würden wir heute dem Rat von Herrn Schreiber folgen, wären die Renten ein Drittel niedriger und damit vermutlich unter dem gesetzlich vorgeschriebenen Mindestbetrag, auch bekannt als Sozialhilfe… Da wird einem erstmal klar wie kaputt das Umlageverfahren ist, wenn die Arbeitnehmer fast 20 Prozent ihres Lohnes an die Rentenversicherung abgeben müssen und es trotzdem für die meisten Rentner nicht ausreicht.

Oder anders ausgedrückt, die Einkommensteuer könnte um 60% gesenkt werden, wenn wir die Rente “pur” haben wollten. Das heisst, anstelle der heutigen Einkommensteuer mit Sätzen von 14-48% könnten wir eine Flat-Tax für alle in Höhe von ca. 6% haben. Wer mir das jetzt nicht glaubt, sollte auf einen kommenden Post von mir warten, in dem ich näher auf das Steuersystem in Deutschland eingehen werde… 😉

Übrigens, nochmal dazu warum die Argumentation pro Umlageverfahren anno 1957 völlig verkehrt war: Damals gab es die sogenannte Mackenroth-These, die besagte, dass es so etwas wie “Sparen” gar nicht geben könne und man daher die Sozialeistungen immer aus dem aktuellen Volkseinkommen entnehmen müsse. Das ist natürlich völliger Humbug und mich wundert es auch nicht, dass es für die These nur einen deutschen Eintrag bei Wikipedia gibt, denn sie ist ausserhalb Deutschlands nahezu unbekannt.

Wie der Wikipedia-Eintrag schon sagt, ist es natürlich so, dass aus Ersparnissen Investitionen bezahlt werden –> volkswirtschaftliche Identität: Sparen=Investitionen. Investitionen wiederum erhöhen den Kapitalstock einer Wirtschaft. Das kann physisches Kapital (z.B. Gebäude, Maschinen), oder auch “Humankapital” (z.B. Ausbildung für Arbeiter) sein. Dadurch ermöglichen Investitionen ein höheres Volkseinkommen in der Zukunft und somit ist es sehr wohl möglich, dass ein heute angesparter (und investierter) Euro in zwanzig Jahren deutlich mehr wert ist. Dies erkennt man auch an den Aktienmärkten, die über längere Zeit immer reale Gewinne aufweisen, solange die Wirtschaft wächst. Aktienmärkte sind natürlich nichts anderes als der Handel mit Rechten auf das investierte Kapital einer Wirtschaft.

Vereinfacht gesagt kann eine angesparte Rente im Durchschnitt soviel Ertrag erwirtschaften wie der Kapitalertrag einer Wirtschaft real wächst (diese Zahl kann durchaus über lange Zeit höher sein als das Wirtschaftswachstum). Eine Rente nach Umlageverfahren (also direkter Transfer von Beitragszahlern zu Rentnern) kann so viel wachsen, wie die arbeitende Bevölkerung und die Durschnittslöhne wachsen. Im Jahr 1957 war das Umlageverfahren durchaus attraktiv, weil damals die Löhne über 5% pro Jahr (real!) wuchsen und der “Baby-Boom” ein kräftiges Wachstum der Anzahl an zukünftigen Beitragszahlern in Aussicht stellte. Aber bereits 25 Jahre später, 1982 also, sah es ganz anders aus. Die Baby-Boomer-Generation war bereits komplett in der Arbeitswelt angekommen und das Bevölkerungswachstum war auf nahezu Null zurückgegangen. Auch die Reallöhne wuchsen “nur noch” um 1-2% pro Jahr (ab ca. 1995 schrumpften sie).

Wo also in den 50er Jahren das Umlageverfahren noch Rentenwachstum von bis zu 7% pro Jahr versprechen konnte, waren es in den 80er Jahren nur noch höchstens 2 Prozent. Hinzu kam aber noch ein weiteres Problem: Dank der hervorragenden Arbeitsmarktpolitik von Politikern und Gewerkschaftlern geht die Zahl der Beitragszahler stärker zurück als die Bevölkerungszahl. Dies zeigt sich in immer mehr Arbeitslosigkeit und Teilzeitjobs. Somit zeigt der Trend der gesetzlichen Rente heute stark nach unten. Bei dem aktuellen Wachstum von Löhnen (minus 0,5%) und Anzahl Beitragszahlern (ca. keine Ahnung) steht uns also eine permanente Schrumpfung der Renten um 1% (?) pro Jahr bevor.

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