Leave a comment

Dänemark

Ich wurde neulich darauf angesprochen, dass Dänemark mit seinem Flexicurity-Arbeitsmarkt (siehe Wiki) erstaunlich niedrige Arbeitslosenzahlen erzeugt, obwohl das Land sonst der Horror eines Liberalen ist. Nun, nach genauerer Nachforschung im Internet haben sich meine Vermutungen bestätigt, dass Dänemark das Paradies für Beamte ist: Unglaubliche 39% aller Jobs sind beim Staat. Zum Vergleich: in den meisten Ländern sind es ca. 10-20%.

Ich kann nun leider nicht mehr die Quelle finden, aber The Communist hat mal über Schweden geschrieben, dass praktisch alle Jobs in den letzten 40 Jahren vom Staat geschaffen wurden. Dies wurde als Grund für die überraschend niedrigen Arbeitslosenzahlen genannt. Nun, so niedrig sind sie in Schweden auch nicht: 8%, genauso wie in Deutschland. Aber man vermutet, dass sie eigentlich eher über 15% lägen, wenn der Staat nicht so viele Leute anstellen würde.

Dänemark ist auch bekannt als der Weltmeister im Steuern einnehmen. Der Spitzensteuersatz beträgt 63% ab €70.000. Auf Neuwagen muss eine Steuer von 200% bezahlt werden, d.h. der Preis verdreifacht sich. Wer’s nicht glauben mag, kann bei VW Dänemark’s Website nachschauen: Ein einfacher Golf 1.4 TSI Highline mit 122 PS kostet €39.250 Grundpreis! Der neue Golf R mit 270 PS wird in Dänemark ab nicht so freundlichen €92.200 zu haben sein. Zum Vergleich: in Deutschland wird er ca. €35.000 kosten. Kein Wunder, dass die soviel Fahrrad fahren LOL.

Es wird immer wieder mal darauf hingewiesen, dass die skandinavischen Staaten relativ wohlhabend sind (BIP-Liste), trotz ihrer Terrorsteuern. Die wichtigsten Zutaten für durchschnittlichen Wohlstand sind überraschend einfach (dennoch kriegen es ca. 150 Länder auf dieser Erdkugel nicht auf die Reihe…): Man braucht ein funktionierendes liberales Rechtssystem mit Schutz von Eigentum und Verträgen, ein halbwegs funktionierendes Bildungssystem und ein halbwegs freier Austausch von Waren national und international. Die Skandinavier können hinter all diesen Punkten Häckchen setzen. Bei Dänemark kommt noch hinzu, dass sie neben Grossbritannien den am höchsten entwickelten Finanzmarkt in Europa besitzen. Der sehr gute Hypothekenmarkt verbessert sicherlich auch die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit (für interessierte ist hier ein interessanter Bericht zum dänischen Hypothekenmarkt).

Reicher als Deutschland sind die skandinavischen Staaten aber dennoch nicht (erneut: BIP-Liste). Zum Beispiel ist Dänemarks reales Kaufkraft-pro-Kopf-Einkommen nur 3 bis 7% höher als das von Deutschland. Allerdings ist der Anteil der Menschen, die arbeiten gehen, auch um 7% höher. Diese letzte Quelle ist zudem interessant, weil man dort sehen kann, dass Dänemark trotz seines “Flexicurity”-Arbeitsmarktes auch Probleme mit der Frühverrentung hat, da nur ein Drittel aller 60-64-jährigen arbeiten gehen. Interessanterweise schneidet Schweden dort ziemlich gut ab. In den USA arbeiten noch 52% der 60-64-jährigen und 29% der 65-69-jährigen.

Zum Schluss noch ein kleines Rechenbeispiel, um auch meine Theorie nutzloser staatlicher Jobs bildlich darzustellen. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) besteht ja aus aus vier Teilen: Konsum, Investitionen, Nettoexporte und Staatsausgaben. Einer von diesen vier Teilen ist ein echtes Problem, weil er sich nicht richtig (sprich: zu Marktpreisen) messen lässt: die Staatsausgaben. Für sie gibt es häufig keine Marktpreise, da es für viele staatliche Dienstleistungen keinen Markt gibt.

Da die Staatsausgaben mittlerweile in der westlichen Welt 15-30% des BIP ausmachen (nach den offiziellen Statistiken), kann die Art der Bewertung gewaltige Unterschiede für das ganze BIP ausmachen.  Fiktives Beispiel: Deutschland hat 15% Staatsanteil am BIP, Dänemark vielleicht 30%. Wenn nun die Staatsleistungen in Wahrheit nur halb so viel Wert wären (nur so zur einfachen Rechnung), dann würde sich der zuvor genannte 3-7% Vorsprung von Dänemark in einen 3-7% Rückstand umwandeln.

Eine Lösung dieser Messproblematik ist wohl nicht in Sicht. Aber wenn man zurückdenkt an die unglaublich grosse Überschätzung der Werte der Staatsleistungen im ehemaligen Ostblock durch westliche Ökonomen (bis zu 100% überschätzt), dann denke ich, dass es relativ warscheinlich ist, dass auch heute in unseren westlichen Ländern der Staatsanteil am BIP überschätzt wird. Daher kann man vermuten, dass Länder mit hohem Staatsanteil weniger wohlhabend sind, als es die offiziellen BIP-Zahlen suggerieren.

Bezüglich Dänemark möchte ich noch abschliessend darauf hinweisen, dass bei Vergleichen der Kaufkraft-Löhne Schweden, welches sicherlich mit Dänemark vergleichbar ist, hinter Deutschland liegt. Sicherlich hat die “Flexicurity” geholfen, da die Arbeitslosenzahlen seit ihrer Einführung in den 1990er Jahren deutlich zurückgingen. Auch das Wirtschaftswachstum hat seitdem zugenommen. Aber ein Allheilmittel ist es sicher nicht, dafür ist zuviel faul im Staate Dänemark: zu hohe Steuern, zuviel Staat.

Aber, ist zuviel Staat wirklich so schlimm? Gibt es nicht Sachen, die der Staat besser, oder zumindest gut, kann? Jein. Man denke nur an all die Bereiche, die in vielen Ländern schon privatisiert wurden (wenn auch häufig auf die falsche Art): Fluggesellschaften, Bahnbetriebe, Stromversorgung, Telekommunikation. Wenn richtig privatisiert wurde, verbesserte sich die Qualität, und manchmal auch Quantität der Leistung, dramatisch.

Die privatisierten japanischen Bahnbetriebe gelten als hervorragend. Bei der deutschen Bahn hingegen stehen 50% aller Züge still, und zwar nicht wegen dem harten Winter, sondern weil so viele Züge in schlechtem Zustand sind und andauernd gewartet werden müssen.

Die staatlichen (oder staatlich subventionierten) Fluggesellschaften geben  oft ein jämmerliches Bild ab im Vergleich zu ihren privaten Konkurrenten: siehe JAL vs. ANA, siehe auch ehemals Alitalia.

Die Reform des deutschen Telekommarktes ist ein Beispiel wie aus dem Bilderbuch: die Preise purzelten auf ein Hundertsel und die Vielfalt an Angeboten nahm zu. Selbiges passierte in den USA nach der Zerschlagung des AT&T-Monopols (privates Monopol mit staatlichem Segen), in Japan und in vielen europäischen Ländern.

Der Staat kann dort sinnvoll eingreifen, wo natürliche Monopole existieren, also z.B. im Strassen-, Schienen- und Telefonleitungsnetz (nicht die Betriebe!). Die Grundlage für den staatlichen Eingriff ist, dass der private Monopolist zu wenig Quantität bei zu hohen Preisen anbietet. Beispiel: der Staat sorgt dafür, dass selbst ins 50-Einwohner Dorf auf dem Berg eine Telefonleitung gelegt und eine Strasse gebaut wird, wo sonst die private Nachfrage nicht ausreichend Anreiz für deren Bau bieten würde.

So weit, so gut. Doch das schlimme ist, dass die Staaten heutzutage gerade diesen sinnvollen Aufgaben nicht mehr ausreichend nachgehen. Die Strassen- und Schienennetze verkommen. Es wird kaum in moderne Glasfaserleitungen für Telefon, Fernsehen und Internet investiert. Anstatt dessen klammern sich Staaten wie Frankreich oder Deutschland verzweifelt an “nationale Champions” wie die Deutsche Bahn oder die Telekom, die in Wirklichkeit eine Schande für die Nation sind. Der Staat versagt in Quantität und Qualität genauso wie private Monopole, wenn nicht sogar schlimmer. Warum? Weil er sparen muss, weil kein Geld mehr da ist, nicht mal für’s Streusalz. Und damit kommen wir schon wieder zum eigentlichen Problem: warum fehlt das Geld? Wegen des aufgeblähten Sozialstaates. Weil der Staat Hunderte Milliarden in das Gesundheitssystem und die Rente pumpt, ohne dass dabei etwas vernünftiges raus kommt.

Worum ging es eigentlich? Ach ja, Flexicurity…

Advertisements

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out / Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out / Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out / Change )

Google+ photo

You are commenting using your Google+ account. Log Out / Change )

Connecting to %s

%d bloggers like this: