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Muss eine Währung “stark” sein?

Jeder hat es schon mal in den Nachrichten gehört: der Euro ist stark, der Dollar ist schwach, manchmal auch umgekehrt. Die nicht mehr so jungen unter uns erinnern sich noch daran, dass die Lira schwach war und die Deutsche Mark stark. Doch was hat es eigentlich damit auf sich? Wann ist eine Währung stark? Muss eine Währung überhaupt stark sein? Warum sind wir stolz auf eine “starke” Währung?

Manche Leute schauten sich den Wechselkurs von DM zu Lira an und dachten, die Lira sei schwach, weil man 1000 Lira brauchte, um eine Deutsche Mark zu bekommen. Doch dieser Wechselkurs war bloss das Ergebnis jahrzehntelanger Inflation seitens der Italiener. Wenn die Italiener bessere Politik betrieben hätten und sich der Wechselkurs auf 1:500 verändert hätte, wäre die Lira dann immernoch schwach gewesen? Offensichtlich nicht.

Also sind Währungen stark, wenn sie Boden gut machen auf andere? Nein, sind sie nicht. Der japanische Yen legt seit 20 Jahren gegenüber DM, Euro und Dollar zu. Einst brauchte man 120 Yen um eine DM zu bekommen. Nun bekommt man dafür einen EURO, welcher bekanntlich gleich 1,95583 DM ist. Dennoch galt der Yen in den letzten Jahren als schwach, weil er ständig “unterbewertet” war. Was “unterbewertet” bedeutet, möchte ich an folgendem Beispiel zeigen:

Nehmen wir an, wir gehen in einen deutschen Supermarkt einkaufen. An der Kasse zahlen wir 100 Euro. Nun fliegen wir nach Japan und kaufen ungefähr dasselbe. Diesmal zahlen wir 100 Yen. Der Wechselkurs liegt aber bei 120 Yen für 1 Euro. Das nennt sich “Unterbewertung” und es funktioniert natürlich auch in die andere Richtung, wie jeder Deutsche, der schonmal in der Schweiz war, nur zu gut weiss ;-).

Ist also eine Währung “stark” wenn sie “überbewertet” ist? Das kommt darauf an, was man unter Stärke versteht. Auf den ersten Blick ist es gut, wenn die eigene Währung überbewertet ist, weil dann Sachen aus anderen Ländern billiger werden. Aber häufig ist die Überwertung das Ergebnis von wirtschaftlichen Problemen, die uns langfristig auch ärmer machen können.

Nehmen wir zum Beispiel die Schweiz und Schweden: beide besitzen Währungen die als überbewertet gelten. Dies liegt zum Teil an Produktivitätsunterschieden zwischen verschiedenen Bereichen ihrer Wirtschaft. Die Exportindustrie der Schweiz und Schwedens ist sehr produktiv (sprich: es wird viel Wertschöpfung im Verhältnis zu den Kosten erzeugt) und international erfolgreich. Diese international gehandelten Exportgüter werden zu Preisen gehandelt, die weltweit mehr oder weniger gleich sein sollten aufgrund der starken Handelskonkurrenz.

Dann gibt es aber auch das heimische Dienstleistungsgewerbe (Friseure, Restaurants, etc.) und den Immobilienmarkt. Beide sind praktisch gar keiner internationaler Konkurrenz ausgesetzt. Deren Produktivität ist relativ geringer im Vergleich zum Exportsektor (z.B. wegen staatlichen Regulierungen) und damit sind ihre Preise relativ zu hoch. Das Dienstleistungsgewerbe und der Immobilienmarkt sind aber die zwei Bereiche, in denen die Menschen das meiste Geld ausgeben. Deshalb ist Wohnen und Essen in der Schweiz so teuer. Länder, in denen die Exportindustrie verhältnismässig klein und der Dienstleistungssektor produktiv ist, wie z.B. die USA oder England, haben dementsprechend eher “unterbewertete” Währungen.

Ein weiterer Grund für Überbewertung kann die dauerhafte Exportlastigkeit einer Wirtschaft sein, welche unter anderem das Ergebnis von zu viel Sparen seitens der Bevölkerung sein kann. Man sieht also, dass Überbewertung nicht grundsätzlich etwas Gutes sein muss. Langfristig kann sie Teile der Exportwirtschaft gar kaputt machen, weil ja die überbewertete Währung die Exporte teurer für die Absatzmärkte macht.

Meiner Meinung nach der beste Ausdruck einer “starken” Währung ist daher Preisstabilität. Das ist auch der Aspekt, der für die Menschen wirklich wichtig ist. Langfristig sollte es weder Inflation noch Deflation geben. Doch bekanntlich scheitert heutzutage jede Währung an diesem Kriterium, da die Notenbanken sich nicht die Preisstabilität, sondern die Inflationsstabilität auf die Fahnen geschrieben haben. Zwei Prozent Inflation gilt als das Idealziel. Bei dieser Rate aber ist das Geld nach 35 Jahren nur noch die Hälfte wert.

Manche bekannte Ökonomen wie Olivier Blanchard vom Internationalen Währungsfond fordern bereits eine Anhebung des Inflationsziel auf 4 Prozent, aufgrund der angeblich akuten Deflationsgefahr zurzeit. Vier Prozent Inflation würde unser Geld bereits nach 17 Jahren im Wert halbieren. Natürlich würden sich auch alle Schulden halbieren. Und das ist auch der Grund, warum Politiker und Banker sich zunehmend mit einem höheren Inflationsziel anfreunden werden.

Doch für den Durchschnittsbürger bedeutet dies natürlich, dass das Ersparte nach 17 Jahren nur noch die Hälfte wert ist, wenn man es nicht in Aktien oder Immobilien investiert hat. Ausserdem würde eine höhere Inflationsrate auch Anpassungskosten in der Wirtschaft verursachen, denn Inflation für die Wirtschaft ist wie Reibung für die Physik: es verschwendet Energie. Hinzu kommt, dass unser Steuersystem nicht für Inflation gemacht ist. Inflation lässt auch Löhne steigen (nominal, nicht real) und bringt somit mehr und mehr Bürger in höhere Steuerkategorien, was die Steuereinnahmen beim Staat sprudeln lässt.

Abschliessend kann man also sagen, dass eine “starke” Währung dann gut ist, wenn “stark” bedeutet, dass wir Preisstabilität haben. Das sollten die Menschen von der Politik auch einfordern, denn sonst wird ihnen ihr Vermögen still und heimlich vom Staat geklaut.

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One comment on “Muss eine Währung “stark” sein?

  1. Die Tschechische Krone (CZK) konsolidiert derzeit etwas ist aber gegenüber dem Euro (EUR) meines Erachtens immer noch deutlich überbewertet. Von “stark” kann nicht die Rede sein, denn die Lebenshaltungskosten steigen laufend. In Tschechien produzierte Waren werden immer teurer im Export. Mittelfristig wird sich also die Überbewertung der Tschechischen Krone nachteilig für die Wirtschaft in Tschechien auswirken.

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