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Das wird noch richtig hässlich

Griechenland bettelt nun um Hilfskredit bei anderen Euro-Ländern. Sollten sie genehmigt werden, wäre das Land erstmal von steigenden Zinsen befreit und könnte weiter schön Schulden machen. Ist damit die “griechische Tragödie” zuende? Nein, bei weitem nicht! All diese Hilfsmassnahmen betreffen nämlich nur die Staatsschulden. Was aber ist mit den privaten Schulden?

Erste Konjunkturindikatoren verweisen bereits auf einen wirtschaftlichen Einbruch in Griechenland seit Jahresbeginn. Die Griechen sparen nun mehr, weil sie mit steigenden Steuern, mehr Arbeitslosigkeit und weniger Staatsausgaben rechnen müssen. Ausserdem werden Milliarden Euro aus griechischen Banken abgezogen und ins Ausland gebracht. Ausländische Investoren, die bis jetzt einen Grossteil des griechischen Konsums mitfinanziert haben, sehen wohl keine Chance mehr auf Rückzahlung ihrer Kredite und bauen daher vorsichtshalber ihre Lager ab. Das Schuldenmoratorium muss kommen.

Die Griechen exportieren so wahnsinnig wenig im Vergleich zu ihren Importen, dass sie sich massiv im Ausland verschulden für die Importe. Da ihnen nun keiner mehr Kredite geben will, werden sie ihre Import ungefähr auf ein Drittel zurückfahren müssen. Eine solche Anpassung kann nur im Zuge einer wirtschaftlichen Depression (sprich: äusserst heftige Rezession) stattfinden. Diese Depression wird in der zweiten Jahreshälfte an Fahrt aufnehmen. Die Arbeitslosigkeit wird Richtung 20% hochschnellen und die Menschen werden immer heftiger protestieren.

Entsprechend der keynesianischen Logik, man könne eine Rezession/Depression mit erhöhten Staatsausgaben bekämpfen, werden dann Forderungen nach einem Konjunkturpaket aufkommen, welches natürlich durch alle Euro-Länder finanziert werden müsste, da ja Griechenland pleite ist. Es werden also weitere Kosten auf die Steuerzahler in Deutschland zukommen. Zurzeit sind es nur 8 Milliarden an Bürgschaftskrediten. Wenn erstmal Portugal auch pleite ist und sich dann die Kredite inklusive Konjunkturpaketen auf über 20 Milliarden (allein für Deutschland!) summieren, dann wird der Krach in der Eurozone erst so richtig losgehen.

Was könnte passieren?

a) Griechenland und Portugal bekommen alles was sie wollen. Ein Teil ihrer Schulden wird einfach gelöscht. Eine schwere Rezession werden sie trotzdem durchmachen. Sie bleiben aber beim Euro. Länder wie Deutschland werden deren Schulden ein paar Jahre lang mitfinanzieren, bis der Geduldsfaden reisst. Dann muss ein europäisches Wirtschaftsministerium eingerichtet werden, welches absolute Weisungsbefugnisse über hilfsbedürftige Staaten bekommt. Entsprechend würden nationale Ressentiments zwischen den europäischen Ländern aufflammen.

b) Die Griechen (und Portugiesen) halten die Depression nicht aus und treten selber aus dem Euro aus. Die internationalen Finanzmärkte erschrecken sich und Irland und Spanien müssen ebenfalls aus dem Euro austreten. Deutschland würde nicht völlig kostenfrei davonkommen, da wichtige Exportmärkte durch schwere Rezessionen wegbrächen.

c) Deutschland, Holland und Österreich haben die Schnauze voll und treten aus dem Euro aus.

Am wahrscheinlichsten ist wohl Variante A, allein schon deswegen, weil Politik niemals einen sauberen Strich ziehen kann und immer den schwierigen kurvigen Weg bevorzugt.

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