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Regulieren ohne Sinn und Verstand

Das ist ja nix neues, wenn es um die Formel 1 geht. Aber die neue Motorenregel lässt einen schonmal an der Intelligenz der beteiligten Personen zweifeln. Blicken wir mal auf bisher geschehenes zurück:

1966  – Es werden 3-Liter Saugmotoren und 1,5-Liter-Turbomotoren zugelassen. Zunächst existierten nur erstere. Ab 1983 war die Turbotechnologie weit genug fortgeschritten und verdrängte die Saugmotoren.

1989 – Turbomotoren werden verboten. Angeblich seien sie zu teuer zu entwickeln. Es folgen 3,5-Liter Saugmotoren, bei denen sich schnell herausstellt, dass sie noch teurer sind.

1995 – Der Hubraum wird auf 3-Liter begrenzt.

2006 – Den Motoren werden zwei ihrer 10 Zylinder abgetrennt, wodurch der Hubraum auf 2,4-Liter sinkt.

2007 – Die Motorentechnik darf bis 2013 nicht mehr geändert werden.

Und nun will man ab 2013 auf 1,5-Liter Turbomotoren setzen, wie schon vor 1989. Wenn das Ziel Kostenreduktion ist, sollte man die Regeln so selten wie möglich ändern, da jede Regeländerung enorme Entwicklungskosten verursacht. Anstatt dessen hat sich die FIA-Behörde als regelwütig erwiesen und die Ingenieure ständig vor neue Herausforderungen gestellt. Erst 2007 einigte man sich auf eine Regel, die effektiv die Kosten hätte senken können. Da gab es nur ein Problem: wenn alle Motoren “eingefroren” und angeglichen werden, warum hat man dann nicht gleich einen Einheitsmotor? Kann es da wundern, dass seit 2008 die Hersteller massenhaft die Formel 1 verliessen?

Nun schliesst sich der Kreis in dem man sich gedreht hat nach 24 Jahren wieder bei den Turbomotoren.  Die Parallelen zu anderen über- und fehlregulierten Bereichen der Gesellschaft sind offensichtlich, zum Beispiel zum Gesundheitswesen oder dem Bankensystem. All diese Bereiche haben eines gemeinsam: Derjenige der reguliert ist nicht derselbe, der das Geschäft betreibt. Dadurch hat die Regulierungsinstanz schonmal zwei sehr schlechte Eigenschaften: sie hat keine Ahnung vom Geschäft und sie hat kein Interesse am grösstmöglichen Wohlergehen des Geschäftsfeldes.

Im Gesundheitswesen äussert sich das darin, dass Staat und Versicherungen nur daran interessiert sind, die Kosten ohne Rücksicht auf Verluste zu drücken. Dies liegt daran, dass die Politiker noch andere Bereiche haben, für die sie das Geld “dringend” benötigen. Die Regulierungsbehörde der Formel 1 dagegen hat überhaupt keine weiteren Interessen, daher reguliert sie ziel- und planlos vor sich hin, einfach des Regulierens wegen, quasi als Berechtigung ihrer Existenz.

Für die Formel 1 wäre es daher gesünder, wenn sie von einer Privatperson wie Herrn Ecclestone oder einer privaten Veranstalterfirma ohne jegliche Verbindung zu einer Sportbehörde geführt würde, so wie z.B. die NASCAR-Serie in den USA. Eine Abspaltung der Teams von der FIA, wie sie letztes Jahr diskutiert wurde, hätte dies vermutlich erreichen können. Leider war wohl zu dem Zeitpunkt bereits den Herstellern klar, dass aufgrund der schwierigen Wirtschaftslage eine Fortsetzung des F1-Engagements in Frage stand. Das war vielleicht der Grund, warum die Aktion letztlich nicht durchgeführt wurde. Nun dürfen wir wieder viele Jahre warten, bis sich eine ähnliche Gelegenheit bietet, denn jetzt hat die FIA mit den vier neuen kleinen Teams genügend “IM” eingeschleust, um erstmal alle Abspaltungsversuche abschmettern zu können.

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