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Ein Schrecken ohne Ende

Die große Rettung, die zurzeit gefeiert wird, ist nichts anderes als Augenwischerei. Griechenland, Spanien, Portugal, Irland, und vielleicht sogar Italien sind immernoch auf einem nicht haltbaren Weg in die Schuldenkrise. Ihre Schuldenberge und Haushaltsdefizite werden auch in drei Jahren viel zu hoch sein, um sich weiterhin an den Märkten refinanzieren zu können. Die Märkte haben es daher schon richtig vermutet letzte Woche, dass die einzige Lösung für diese Länder eine Umschuldung, sprich: ein teilweiser Schuldenverzicht seitens der Banken ist.  Der einzige andere Weg wäre aus der Krise mit Wachstum herauszukommen. Mit Wirtschaftswachstum steigen die Steuereinnahmen und der Schuldenberg wird im Verhältnis zur Wirtschaft kleiner. Aber gerade die “PIIGS”-Staaten erwarten kein nennenswertes Wachstum, eher sogar Rezessionen, für die nächsten Jahre.

Die sogenannten “Angriffe auf den Euro” werden daher weitergehen. Jetzt erst recht, nachdem die Europäische Zentralbank klar gemacht hat, dass sie bereit ist, frisches Geld zu drucken, um die Staatschulden der PIIGS aufzukaufen. Dies muss zwar nicht, kann aber in einer hässlichen Inflation enden. Hängt davon ab, wie sehr die europäischen Bank nach der letzten Krise unterkapitalisiert sind und das Geld dringend als Sicherheitsreserve benötigen. Falls sie das Geld in Form von Krediten im Umlauf bringen, haben wir den Inflations-Salat.

Ein weiteres neues Problem ist, dass jetzt die PIIGS jeden Anreiz zum sparen verloren haben. Sie werden ja eh “gerettet”. Man kann daher davon ausgehen, dass die Defizit-Ziele weit verfehlt werden, und dass früher oder später wieder ein möglicher Austritt aus dem Euro in Frage kommt. Bis dahin ist Europa auf dem besten Wege alles kaputt zu machen, was in den letzten Jahrzehnten aufgebaut wurde. Nationale Animositäten werden wieder zunehmen und die Gefahr einer Mega-Schuldenkrise ist in Sicht. Auch Deutschland wird wohl ab 2011/12 kräftig sparen müssen. Dann müssen wir uns nicht mehr nur gedanklich vorstellen, wie sich wohl solche Sparmassnahmen wie der Griechen anfühlen.

So oder so steht eine Art finanzieller “Judgement Day” bevor, der nicht schön enden wird. In 5-10 Jahren schon könnte Europa dort angekommen sein, wo man schonmal in den 1920er/30er Jahren war. Von Schulden und Streitereien politisch zerrüttet.

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3 comments on “Ein Schrecken ohne Ende

  1. Genau aus dem Grund wird die Finanzhilfe an wichtige Kriterien geknüpft, die die verschuldeten Länder erfüllen müssen. Ohne Sparkurs, keine Finanzspritze. Deswegen ist es so nicht richtig, wenn man sagt, dass die PIIGS jetzt Geld aus dem Fenster herausschmeißen können. Zumal: Ein wenig Pflicht- und Verantwortungsbewusstsein traue ich den Staaten schon noch zu, auch wenn Griechenland das Gegenteil zu beweisen versucht hat.

    • Das eigentliche Problem ist, dass die Euroländer als ganzes mit drin stecken. Was hilft mir das Drohpotential, wenn ich nicht bereit bin, die “Waffe abzufeuern”. Was würde passieren, wenn Griechenland nicht die Sparkriterien bei der nächsten Kontrolle erfüllt hat? Wird dann der Hilfskredit tatsächlich zurückgenommen und lässt man das Land pleite gehen? Genau das will man ja nicht zulassen, weil man Ansteckungseffekte auf andere Länder befürchtet. Und Portugal und Spanien haben ja noch garkeine Hilfen bekommen. Womit soll man denen drohen? Mit dem Rauswurf aus dem Euro? Das will man ja auch nicht.

      Bei Griechenland kommt hinzu, dass es nicht mal am Mangel von Pflichtbewusstsein liegen wird, wenn sie das Sparziel verfehlen. Die Rezession dort wird das Sparen schon weit genug erschweren.

  2. […] Das Schuldenimperium schlägt zurück In Wirtschaftskrise / Economic Crisis on June 10, 2010 at 15:56 Europas Banken sind nun erstmals mehr pleitegefährdet als amerikanische Banken (siehe Artikel). Die nicht gelöste Schuldenkrise droht, Europa in eine weitere Rezession zu stürzen (siehe weiterer Artikel). Aber darauf habe ich ja schonmal hingewiesen (“Ein Schrecken ohne Ende”). […]

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