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Eine Welt ohne Ökonomen

Wie würde die Welt wohl aussehen, wenn es keine Ökonomen gäbe? Genau so, wie sie jetzt aussieht. Staatspleiten, soweit das Auge reicht, Finanzkrisen ohne Ende, Währungskrisen alle Jahre wieder, und stagnierende Wirtschaftsleistung bei hoher Arbeitslosigkeit. Nun hat die EU-Kommission wieder mal gezeigt, dass ihr die Meinung der Ökonomen am A* vorbei geht (Artikel der FTD). Man hat Estland schon für 2011 in den Euro aufgenommen, gegen die Empfehlung der Europäischen Zentralbank, die übrigens für den Euro zuständig ist (das scheinen ja die Mitglieder der EU-Kommission noch nicht begriffen zu haben). Na dann sollen sie aber nicht in 7 Jahren heulend vor der Tür der EZB stehen und sich fragen, warum Estland eine schwere Immobilien- und Wirtschaftskrise hat und Pleite ist. Idioten.

So, nachdem ich mal Luft ablassen konnte, nun die Erklärung für alle ökonomisch unwissenden, warum es eine unglaublich dumme Tat ist, Länder wie Estland in den Euro aufzunehmen: Genauso wie schon im Falle Spaniens, Griechenlands und Irlands vor 10 Jahren hat Estland heute noch einen gewaltigen Rückstand in Sachen Wirtschaftsleistung auf Länder wie Deutschland oder Frankreich aufzuholen (siehe meine geliebte BIP-Liste). Solche Ketchup-Länder (eigentlich Catch-up) haben dann auch meistens (Ausnahme: Portugal) eine stärker wachsende Wirtschaft als Deutschland. Da in stärker wachsenden Ökonomien Kapital eine höhere Rendite erwirtschaftet, sollte normalerweise auch der Zinssatz auf Kapital höher sein. Wenn nun aber das Land an den Euro gefesselt wird, gelten die selben Zinssätze für Estland wie für Deutschland, nur dass sie für Estland viel zu niedrig sein werden.

Die Folge ist dann, dass man sich in Estland superbillig Geld leihen kann und es in Projekte mit wahnsinnig hohen Renditen stecken kann, was relativ schnell zu einer “Überhitzung” der Wirtschaft führt mit hohen Inflationsraten und Aktien- und Immobilienblasen. Nach ein paar Jahren ist das Preisniveau im Vergleich zu Deutschland zu hoch und die Wirtschaft nicht mehr konkurrenzfähig (siehe Griechenland, Spanien, Irland). Es folgt Deflation, schwaches Wachstum und explodierende Schulden, sobald die Häuserblase platzt und die Banken auf einer Menge fauler Kredite sitzen bleiben. Und dann haben wir eine Sauerei wie wenn man zu heftig an der Ketchup-Flasche geschüttelt hat.

Das alles erleben wir ja gerade. Lernt man daraus? Offenbar nicht. Wer ist der gear***te dabei? Die Esten werden sich sicher freuen, in ein paar Jahren schon wieder eine deflationäre Rezession durchmachen zu müssen. Naja, wenigstens ist Estland so klein (1 Million Einwohner), dass die EU dann das “Rettungspaket” aus der Portokasse zahlen kann.

Dieser ganze wirtschaftliche Prozess, den ich da erklärt habe, entspricht übrigens der Theorie der Österreichischen Schule der Ökonomik. Die Damen und Herren dieser Gattung sind sozusagen die Erzfeinde der Keynesianer (sprich: aller Politiker und Schauspieler). Für alle Homies gibt’s das eben von mir erklärte auch in Yo-Form:

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5 comments on “Eine Welt ohne Ökonomen

  1. In der Mathematik gilt wenn das Ergebnis mit oder ohne, gleich bleibt, ist eine Variable überflüssig (kürzbar)!
    Ist ja doch auch logisch, sprechen wir doch von der Menschheit als Gruppe und wie du selber oben sagst ist die Variable Oekonomen daraus kürzbar.
    Eventuell könnte man ihnen auch den Status eines neutralen Elements zusprechen… eben z.B. einer großen NULL 🙂

    • Vielleicht sollte man mal auf Ökonomen hören und sie nicht ständig “neutralisieren”. Um einen Vergleich anzustrengen: Politiker fliessen dann wohl in die Gleichung mit einem dicken Minus ein.

  2. Same shit, different decade.

    Learning from one’s mistakes is unnecessary when we’re rewarded for our failures and penalized for our successes.

    Socialists are still trying to find the “right people” to usher in their vision of utopia. The problem is that none of them actually want to live or work there.

  3. Wie ich sehe verstehst du wie die meisten Ökonomen nix von Gruppentheorie/Mathematik.
    es ist ist immer wieder faszinierend anzusehen wie BWLer und Co mit mathematischer Unkenntnis Politiker/Kunden den größten Scheiß verkaufen. Z.B. Lebensversicherungen für Singles.
    An meiner Uni war die Fachschafft der Wirtschaftswissenschaften die EINZIGE mit Schulden weil die nicht in der Lage war Feten zu organisieren ohne rote Zahlen zu machen. Aber ist ja ok, die anderen Fachschaften waren ja blöd genug die Leute immer wieder aus der Patsche zu helfen… kommt das bekannt vor?
    Ja Verluste sozialisieren nennt man sowas!

    • Na dann lass mal Deine Erklärung von Gruppentheorie/Mathematik hören, wie auch immer das hier von Relevanz sein soll.

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