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Missverständnisse

Es wird so viel falsch verstanden was Griechenland angeht, dass ich mal einiges klar stellen möchte:

Griechenland war schon früher fast pleite. Ende 80er/Anfang 90er hatten sie 5 (!) Jahre lang Defizite über 10% vom BIP, also so hoch wie heute aber über einen noch längeren Zeitraum. Anfang der 80er, übrigens bevor die Sozialisten an die Macht kamen, war Griechenland praktisch schuldenfrei. Zehn Jahre später standen die Schulden bei 100% vom BIP und die Inflationsraten lagen im Bereich 15-25% pro Jahr, was den Schuldenanstieg etwas dämpfte. Das Land wäre schon 1997 pleite gewesen, wenn man nicht 1995 den Beitritt zum Euro in Aussicht gestellt hätte. Hyperinflation wäre sonst auf jeden Fall ein möglicher Ausgang gewesen, á la Lateinamerika.

Dasselbe gilt übrigens auch für Italien und Belgien, die ebenfalls durch den Euro-Beitritt und den damit sinkenden Zinsen auf ihre Schulden massiv profitierten. Warum sanken wohl die Zinsen, wenn diese Länder doch nach wie vor so hoch verschuldet waren? Ich nehme an es lag daran, dass die Gefahr einer Hyperinflation (als “Lösung” des Schuldenproblems) verschwand. Durch den Euro-Beitritt gaben die Länder nämlich die Geldpolitik an die EZB ab. Die Investoren vertrauten, dass nun das Schuldenproblem ernsthaft angegangen werden musste.

Fast Forward 10 years, und jetzt haben wir durch die Grosse Rezession 2009 wieder einen Zustand wie Anfang 90er erreicht. Nur diesmal sind die Länder schon im Euro drin, es bleibt also die Gefahr eines Euro-Austritts, insbesondere um die zu hohen Preisniveaus durch Währungsabwertung zu senken und damit die Wettbewerbsfähigkeit zu steigern. Ausserdem würde eine Abwertung den Wert der Auslandschulden senken. Deshalb sind die Investoren jetzt so ängstlich geworden.

Aber noch etwas ist diesmal anders als Anfang 90er: Diesmal machen alle Länder weltweit zusammen viel mehr Schulden als damals (siehe mein Artikel). Der Markt wird überschwemmt mit Staatsschulden aus allen Ecken. Was mache ich da als Investor, wenn ich nur eine bestimmte Menge kaufen kann/will? Logischerweise suche ich mir die Rosinen aus, also relativ sichere Schulden, wie z.B. (nicht lachen!) von den USA oder Deutschland. Die schwächsten Staaten sind die ersten, die dabei über den Jordan gehen. Ihre Schulden werden als erste vom Markt wieder “ausgespuckt”, wenn ein Überangebot herrscht. Und Griechenland, Portugal, Spanien, Irland und Italien sind halt nunmal diejenigen, die zurzeit am wirtschaftlich und schuldentechnisch am schlechtesten dastehen. Das kann sich natürlich ändern. Die USA, England, ja sogar Deutschland könnten bald schon die nächsten sein, wenn die Überversorgung an Staatsschulden auf dem Markt nicht aufhört.

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