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Welches Währungssystem?

Die Krise des Euro wirft erneut die Frage auf, welches Währungs-/Wechselkurssystem eigentlich das Beste wäre. Eine Antwort darauf gibt es meiner Ansicht nach bis jetzt nicht. Hier ein Überblick über mögliche Systeme mit ihren Stärken und Schwächen:

Euro, Gold/Silber, Fixe Wechselkurse: Diese Systeme sind alle im inneren Verhältnis fix, das heisst, die Wechselkurse zwischen den Mitgliedsländern können sich nicht ändern. Die negativen Folgen sind Handelsungleichgewichte, die in Finanzkrisen münden. Alle solche Krisen, ob Griechenland, Asienkrise ’97, Lateinamerika 80er Jahre, oder Grosse Depression fanden in Ländern mit solchen Wechselkurssystemen statt. Positiv ist, dass die Geldmenge nicht mehr von einzelnen Ländern beeinflusst werden kann, so dass Inflation unwahrscheinlich wird (jedenfalls bis zur Krise).

Flexible Wechselkurse (z.B. Dollar, Brit. Pfund, Schweizer Franken): Handelsungleichgewichte können zwar auch bestehen, werden aber wahrscheinlich doch korrigiert, bevor es zur Staats/Finanzmarktpleite kommt. Ausländische Nachfrageeinbrüche können durch Abwertungen abgefedert werden, wodurch sich Krisen weltweit nicht so schnell verbreiten sollten. Nachteil: Jedes Land betreibt seine eigene Geldpolitik und ist somit frei zu inflationieren.

Was die Währungssysteme betrifft, kann man wohl zwischen zwei sinnvollen unterscheiden:

Zentralbanken (praktisch alle heutigen Systeme): Zentralbanken können in Krisen gegensteuern und Depressionen verhindern, indem sie mehr Geld drucken. Durch Hilfskredite/Abkauf von Schrottpapieren/Verstaatlichung können die Banken ihr Business weiter betreiben und das Geld bleibt im Umlauf. Diese Hilfsmassnahmen können ab einem bestimmten Ausmass (siehe USA) nur noch durch Geld drucken finanziert werden, ansonsten geht der Staat pleite. Nachteil der Zentralbanken: sie sind politisch beeinflussbar und man hat daher keine Garantie, dass sie nicht doch irgendwann inflationieren. Ausserdem werden in Krisen wie heute die unproduktiven Teile der Wirtschaft (z.B. Pleitebanken) künstlich am Leben gehalten, was unsere Wirtschaft auf Jahre hinaus behindert, weil Kapital an völlig falschen Stellen eingesetzt wird und dadurch woanders fehlt.

Free Banking (19. Jahrhundert): Details kann man bei Wikipedia nachlesen. Nur so viel: Es gäbe keine Zentralbank und jede private Bank wäre frei, eigene Geldnoten nach Gutdünken herauszugeben. Vorteile: kein politischer Einfluss, keine Inflationsgefahr. Bei Depressionen würden unproduktive und leider wohl auch einige produktive Teile (aufgrund Panik und Überreaktion) der Wirtschaft ausradiert. Nachteile: keine zentralen Anti-Depressions-Massnahmen möglich; schwer überblickbar für Einzelpersonen, welche Banknoten vertrauenswürdig wären.

Man sieht also, es gibt keine einfache Lösung. Der heutige Wissensstand ermöglicht bloss eine Auswahl imperfekter Lösungen. Jedoch kann man heute erkennen, dass die Kombination Zentralbanken und fixe Wechselkurse sehr unheilvoll enden kann und wahrscheinlich die schlechteste Lösung ist. Fixe Wechselkurse geraten immer früher oder später unter politischen Druck und werden dann abgeschafft. Somit können nur drei Lösungen realistisch auf die Dauer existieren:

a) Zentralbanken und flexible Wechselkurse: Hier muss man dennoch aufpassen, dass man nicht im sozialistischen Inflationschaos endet (siehe derzeitige Entwicklung in USA, UK, Japan).

b) Free Banking und fixe Wechselkurse (z.B. durch Goldstandard): Die anachronistische Lösung, bei der die grösste Herausforderung wäre, in einer Depression den wütenden Mob von einer Revolution abzuhalten.

c) Free Banking und flexible Wechselkurse (z.B. durch nationale Güterindizes, an die die Währungen gebunden werden): Eine interessante Lösung, deren Umsetzung noch einiges an Gehirnschmalz und vor Allem zuerst den Kollaps des jetzigen Systems voraussetzt.

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