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Ihr Spekulanten!

Wer sind eigentlich Spekulanten? Was ist der Unterschied zwischen Spekulation und Handel? Wenn ich für meine Rente spare und deutsche Bundesanleihen oder Aktien kaufe, beteilige ich mich am Handel. Aber, habe ich nicht bereits spekuliert, indem ich für meine Rente darauf setze, dass Bundesanleihen oder Aktien am meisten Wert behalten bzw. Wert steigern werden?

Man kann noch einen Schritt weiter denken: spekuliere ich bereits, wenn ich mein Geld auf dem Girokonto liegen lasse? Denn das heisst ja, dass ich vom Girokonto mehr Nutzen erwarte als von Anleihen oder Aktien. Ich “wette” also gegen Aktien/Anleihen.

Nun werden viele sagen, sie investieren in nichts, weil ihnen alles zu riskant ist und sie die stetig zuverlässige Verzinsung des Girokontos schätzten. Dass heisst dann, dass sie besonders “risikoavers” sind. Genau das sind die europäischen Banken zurzeit auch, wenn es um griechische Staatsanleihen geht. Der einfache Bürger sagt sich dann, dass ihm Anleihen oder Aktien nicht genug Rendite bringen, um das Risiko zu rechtfertigen. Das ist auch eine Spekulation auf das Risiko dieser Finanzprodukte.

Risikoaversion ist immer Bestandteil allen Handelns, manche haben mehr,  manche weniger davon. Spielt das eine Rolle für die Unterscheidung zwischen Handel und Spekulation? Fängt Spekulation erst bei einer bestimmten Risikofreudigkeit an? Wenn ja, wann?

Manche werden sagen, Spekulation sei nur auf Gewinne aus. Nur, wozu lege ich mein Geld für die Rente an? Damit ich möglichst grosse Verluste mache?

Nun wollen die Regierungen in aller Welt eine sogenannte Transaktionssteuer einführen, die angeblich dem Spekulantentum Einhalt gebieten soll. Das ist natürlich völliger Schwachsinn. Erstmal sollten die Politiker offen zugeben, dass sie den Handel eindämmen wollen, denn Spekulation = Handel. Nun weiss aber jeder Mensch (nicht bewusst, aber jeder hat schon die Erfahrung gemacht), dass Märkte grössere Preisschwankungen haben, je kleiner sie sind. Je weniger gehandelt wird, desto unklarer ist sich der Markt über die richtigen Preise. Also werde ich gerade durch eine Einschränkung des Handels bewirken, dass die Unsicherheit in den Märkten steigt und dass sich unrealistische Preise länger halten können, bis sie dann umso brutaler wieder angepasst werden.

Abgesehen davon, dass die Politiker mal wieder genau das Gegenteil ihrer Absicht bewirken, ist die Transaktionssteuer natürlich so klein, dass sie den Handel ohnehin kaum verringern kann. Sie ist nur eine weitere Steuer, um mehr Geld in der Staatskasse zu haben. Übrigens ist auch schon klar, wer diese Steuer zahlen wird: jeder Bankkunde, und zwar durch niedrigere Zinsen auf Guthaben und höhere Zinsen auf Kredite. Warum? Weil die Bankkunden nicht mal eben schnell die Bank wechseln. Entweder ist man durch langfristige Kredite gebunden oder man macht es schlicht aus Bequemlichkeit nicht. Daher können die Banken die Kosten der Steuer auf den Kunden überwälzen.

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