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Realitätssinn?

Was ist wohl den Politikern bzw. Wählern lieber? Sie können wählen zwischen Lohndumping und Arbeitslosigkeit. Im Grunde genommen können sie über jeden Job, der gegen Mindestlöhne verstösst, froh sein. Denn wenn man diese “illegalen” Jobs meldet, werden sie einfach verschwinden, auf Nimmerwiedersehen.

Ist doch wirklich nicht schwierig zu verstehen, oder? Das ist genauso wie bei üblichen Tarifverhandlungen: Gewerkschaft fordert 3% mehr Lohn, Firma sagt, wenn sie zustimmte, würden Arbeitsplätze verloren gehen. Man übertrage dieses Beispiel auf den Markt für Niedriglohnjobs und voilá, man kommt zum Gesetz von Angebot und Nachfrage. Mache ich Arbeit teurer, gibt’s weniger davon.

Nun heisst es, dass einige Löhne so niedrig seien, dass sie nicht mehr zum Leben reichen. Das wird in ein paar Fällen tatsächlich stimmen. Es ist das Resultat von vielen Jahren verfehlter Politik (starker Kündigungsschutz, hohe Lohnnebenkosten, hohe Steuern, schlechte Bildung), die die besseren Jobs in der deutschen Wirtschaft hat aussterben lassen, zu Gunsten der Jobs im Industrie-(Export-)Sektor. Fragt mal die Rumänen, wieviele Jobs dort verdammt schlecht bezahlt sind. Ob man die Löhne wohl per Gesetz auf deutsches Niveau anheben könnte? Das wäre doch genial, dann könnten wir alle Armutsprobleme dieser Welt einfach per Gesetz innerhalb eines Tages abschaffen!

Die Reaktion der Politiker und der Mehrheit der Wähler, einfach alles Unangenehme in unserer Welt per Gesetz verbieten zu wollen (Klimawandel, Spekulation, Staatspleiten, Rassismus, Niedriglöhne, Korruption, Drogen, Prostitution) zeigt nicht nur die mangelnde Intelligenz vieler Leute; man kann es auch als regelrecht kindliches Verhalten bezeichnen. Die realen Zusammenhänge von Ursachen und Problemen werden einfach ignoriert. Anstattdessen träumt man weiter von Utopia. Man glaubt immernoch an “das Gute” im Menschen und an die Macht der Gesetze. Dabei können wir Tag für Tag an Orten wie Johannesburg, Rio de Janeiro, Los Angeles, London oder Hamburg beobachten, dass es so nicht funktioniert.

Seit was-weiss-ich-wievielen Jahrzehnten hat der Kampf gegen Drogen nichts, aber auch garnichts erreicht, ausser dass kriminelle Organisationen weltweit ein erträgliches Einkommen gefunden haben, dass völlig steuerfrei ist und ab und zu auch an Terroristen oder Bürgerkriegsarmeen ausgeliehen wird. Und Hollywood hat so eine unersättliche Quelle an Stories für unsere TV-Serien.

Das Verbot von Prostitution hat den Osteuropäern und Ostasiaten ein einträgliches Geschäft mit Menschenhandel beschert.

Das Verbot von Organspenden hat Kriminellen ein einträgliches Geschäft mit Kindesentführungen und Morden in Lateinamerika und Asien beschert.

Das Verbot von Spekulationen auf Staatsanleihen wird in keinster Weise etwas daran ändern, dass gewisse Länder einfach zu lange über ihre Verhältnisse gelebt haben.

Das Verbot von Niedriglohnjobs wird die Wirtschaft nicht produktiver machen und plötzlich Jobs mit besseren Löhnen entstehen lassen.

Mein Auto wird kein Ferrari, egal wie oft ich es anbrülle.

Und genauso wird sich wohl leider auch nichts an all diesen Zuständen (bis auf das letzte, vielleicht) ändern, egal wie oft ich darüber schreibe. Wahrscheinlich ist dafür meine Leserschaft einfach zu klein. Hoppla, jetzt habe ich für einen Moment auch an das Gute im Menschen geglaubt.

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