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Zombiegesellschaft

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A democracy cannot exist as a permanent form of government. It can only exist until the majority discovers it can vote itself largess out of the public treasury. After that, the majority always votes for the candidate promising the most benefits with the result the democracy collapses because of the loose fiscal policy ensuing, always to be followed by a dictatorship, then a monarchy.

Alexander Fraser Tytler, zitiert von Elmer T. Peterson (1951)

Ich habe keine Übersetzung für dieses Zitat finden können, daher versuche ich es mal selbst: “Eine Demokratie kann nicht als dauerhafte Regierungsform existieren. Sie kann nur solange existieren, bis die Mehrheit feststellt, dass sie sich selbst Geschenke aus den öffentlichen Finanzen wählen kann. Daraufhin stimmt die Mehrheit immer für Kandidaten, die die meisten Wohltaten versprechen, mit dem Resultat, dass die Demokratie durch die verschwenderische Politik zusammenbricht. Ihr folgt immer eine Diktatur und schliesslich eine Monarchie.”

In den letzten 100 Jahren verfolgte die Politik in den industrialisierten Staaten hauptsächlich ein Ziel: den “zügellosen” Kapitalismus in den Griff zu bekommen und ihm wenigstens seine vermeintlich unangenehmen Seiten abzugewöhnen, nämlich Konjunkturschwankungen, Insolvenzen und Arbeitslosigkeit. Wurde dieses Ziel erreicht? Teilweise ja, allerdings zu hohen Kosten, die ich näher erläutern möchte.

Da der Staat mit Maßnahmen wie der Auszahlung von Arbeitslosenhilfe oder Subventionen für Firmen nur bestimmten Leuten helfen, nicht aber den gesamten Konjunkturzyklus steuern kann, war die Gründung von Zentralbanken ein ganz wichtiger Bestandteil der staatlichen Versuche, Herrscher über die wirtschaftlichen Gezeiten zu werden. Durch die totale Kontrolle über die Geldmenge in der Wirtschaft konnte man einen ganz entscheidenen Faktor beeinflussen, welcher in modernen Ökonomien den Verlauf von Konjunkturzyklen mitbestimmt: die Kreditvergabe.

Wie man in diesem Artikel bei ZeroHedge erkennen kann, sind die konjunkturellen Schwankungen tatsächlich im Laufe des 20. Jahrhunderts deutlich zurückgegangen. Eine konstante Inflationsrate hat sicherlich dazu beigetragen, da sie den Konjunkturzyklus berechenbarer machte. Aber der Mensch geht bekanntlich am meisten Risiken ein, wenn er sich sicher fühlt. Und so könnte man meinen wir haben nun weniger Rezessionen, aber dafür mehr Megakrisen. Zwar gab es auch Bankenkrisen bevor es Zentralbanken gab (siehe Wikipedia), aber erstaunlicherweise logischerweise überlebte das Finanzsystem ohne Staatshilfen! Auch die Auswirkungen auf Arbeitslosigkeit und Wachstum waren immer nur von kurzer Dauer. Hingegen sind alle großen Krisen seit es Zentralbanken gibt davon gekennzeichnet, dass praktisch alle Banken ohne Staatshilfen bankrott gewesen wären. Außerdem dauern diese Krisen sehr lange an und haben schwerwiegende Folgen für den Arbeitsmarkt und das Wachstum. Ganze Karrieren von Menschen werden über Jahre hinweg zerstört. Man könnte es mit der Frage nach dem Abziehen eines Pflasters vergleichen: Möchte man es schnell hinter sich bringen, oder quälend langsam abziehen?

Doch es gibt noch ein anderes Problem. Der Staat hat uns mit all seinen Eingriffen verweichlicht. Wir haben jegliches Gefühl für Risiko verloren. Wenn der Staat sogar schon den größeren Industrieunternehmen die Gehaltszahlungen an deren Angestellte abnimmt, dann muss man sich die Frage stellen, ob es überhaupt noch Unternehmer braucht. Sicher, die jetzige Krise ist von unglaublichem Ausmaße gewesen und war somit für die allermeisten Unternehmer und Angestellten unvorhersehbar. Man könnte meinen, dass in diesem Fall staatliche Hilfen gerechtfertig wären. Doch das Problem ist, dass wir ja durch die “Glättung” des Konjunkturzyklus nur noch solche Megakrisen haben. Es muss also immer geholfen werden, und somit geht bei Unternehmern und Angestellten jegliches Gefühl für Risikoeinschätzung verloren.

Das Ergebnis: Auf der einen Seite haben wir Banken und Großunternehmen, die mit einer Sonderstellung rechnen und daher jederzeit maximales Risiko eingehen können. Auf der anderen Seite haben wir Kleinunternehmer, Selbständige und Angestellte, die davon ausgehen, dass der Staat für alles sorgt. Junge Generationen wachsen in einer Welt auf, die keine normalen Konjunkturzyklen mehr kennt. Es gibt nur noch alle 10 Jahre Krisen, um die sich der Staat dann kümmert.

Es ist kein Zufall, dass eines der obersten Ziele der Kommunisten war, den Konjunkturzyklus auszulöschen. Schließlich ist der Konjunkturzyklus mit seinen scheinbar übertriebenen Ups and Downs und der daraus resultierenden Arbeitslosigkeit ein unangenehmer Zeitgenosse. Seine Auslöschung würde jedem Arbeiter gefallen. Doch wie schon Alan Greenspan zurecht behauptete, sind Konjunkturzyklen durch nichts anderes als die Natur des Menschen zu erklären. Der Mensch ist emotional. Er reagiert überschwänglich. Er lässt sich tragen von Booms, die zu schön sind um wahr zu sein, und er neigt in unsicheren Zeiten zur Massenpanik.

Kann man dieses Verhalten auslöschen ohne dabei die Leistungs- und Risikobereitschaft und das Ideenreichtum (das bekanntlich in schlechten Zeiten florieren soll) auch auszulöschen? Wenn ich mir die jüngere Generation heutzutage anschaue, bezweifle ich das. Der Mangel an Risikobereitschaft ist bei vielen Leuten erschreckend groß. Um es Schwarz auf Weiß zu sehen muss man nur bis zur nächsten Umfrage nach der Bereitschaft bei Arbeitslosigkeit umzuziehen oder den Job zu wechseln warten. Die sogenannte “Perspektivenlosigkeit” junger Leute, eigentlich einfach nur eine Folge von Mindestlöhnen und Kündigungsschutz, unterstützt natürlich diese Haltung, denn wer nichts gewinnen kann riskiert auch nichts.

Wenn man sich dann noch die eigentlichen Beweggründe für die Enstehung des Sozialstaates anschaut, nämlich die Bestechung der Wählerschaft durch die Politiker zwecks Erhaltung des Status Quo (Artikel @ eigentümlich frei), dann wird einem klar, dass wir uns in einem Zustand befinden, der den apathischen Gestalten aus der “Fiktion” 1984 von George Orwell sehr ähnelt. Eigentlich aber sind wir wie das antike Rom. Wir sind verwöhnt. Ohne Risikobereitschaft und die notwendigen Korrekturen von Exzessen und falschen Entwicklungen verkommt unsere Wirtschaft zur “Zombieökonomie”: Die Toten werden künstlich am Leben gehalten und fressen gesunde Menschen auf.

Wie kann eine solche Demokratie die zukünftigen Herausforderungen meistern? Auf uns warten Stagnation und wachsende Wohlstandsunterschiede (als Folge der Stagnation). Es wird zum großen Generationenkonflikt zwischen unter Kürzungen leidenden Rentnern und jungen Leuten ohne Perspektive auf Wachstum kommen. Die Rating-Agentur Standard & Poor’s kommt in dieser Studie zu dem Schluss, dass wir noch 10 Jahre Zeit haben, um uns für diese Probleme zu rüsten, bevor es zu ernsthaften sozialen Konflikten kommt.

Ich habe schon eine klare Vorstellung davon, was an Reformen nötig wäre, fürchte aber, dass sie nur unter großem Druck (sprich: wenn die Konflikte schon da sind) durchsetzbar wären. Aber dazu ein anderes Mal mehr.

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