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Eurokrise: weiterhin im Zeitplan

Wie ich schon hier und hier vor einem halben Jahr geschrieben habe, ist an der jetzigen Entwicklung in Irland, Portugal und Griechenland nichts überraschendes.

– Irland bekommt EU-Hilfen noch vor Ende 2010? Check.

– Alle irischen Sparpläne sind so aussichtlos, dass nicht mal Herr Zwegat helfen könnte? Check.

– Portugal bemüht sich nicht mal zu sparen, weil Rettung ohnehin kommt? Check.

– Griechenland ist auf dem Weg in eine schwere Rezession und nachwievor pleite? Check.

– Deutschland und Frankreich sind nicht bereit, höhere Inflation bei sich in Kauf zu nehmen, um den PIGS zu helfen? Check.

– Die EZB ist nicht bereit, sich einem offizielen Schuldenaufkaufprogramm zu verpflichten? Check.

– Der Euro bleibt schwach? Check.

Also, was nun? Was erwartet uns 2011? Wie ich schonmal schrieb, sind die echten Problemlösungen einfach aufgeschoben worden. Immernoch kann nur ein Schuldenverzicht Ländern wie Griechenland oder Irland aus der Patsche helfen. Doch Deutschland und Frankreich, die zwei wichtigsten potentiellen “Retter” der PIGS, scheinen weiterhin nicht dafür bereit zu sein. Wahrscheinlich fürchten sie um ihre eigenen Banken, die viel in PIGS-Schulden investiert haben.

Die EU ist im Mai 2010 de facto “all-in” gegangen, als sie den €500 Milliarden schweren EFSF (Stabilitätsfond) aufstellte. Sie glaubten, dieses Geld niemals ausgeben zu müssen, dabei war von Anfang an klar, dass sie es ausgeben werden, eben weil sie die Probleme nicht wirklich gelöst hatten. Nun kündigen sich mit Irland und Portugal die ersten “Kunden” dieses Fonds an. Damit drohen nun den “Geberländern” Verluste in der Höhe von €200 Milliarden über die nächsten drei Jahre, wovon Deutschland ca. €60 Milliarden tragen dürfte.

Das eigentlich schlimme ist natürlich, dass nachwievor kein Problem der PIGS wirklich gelöst wurde. Daher kann man in ein paar Jahren mit weiteren Kosten rechnen. Noch hofft die EU, dass wenigstens Spanien nicht den EFSF in Anspruch nehmen muss, so dass immerhin mehr als die Hälfte des Fonds niemals ausgezahlt werden müssten.

Aber egal wie schlimm all dies für die “Geberländer” sein wird, sie werden es überleben. Düsterer sieht es hingegen in den PIGS-Ländern aus. Sie können, trotz “Rettung” durch den EFSF auch in zwei Jahren noch pleite gehen und dabei das bereits marode Bankensystem mit runterreißen. Aber kann denn eine Wirtschaft normal funktionieren, wenn die Bürger des Landes jeden Tag mit dem Kollaps des gesamten heimischen Bankensystems und einer Staatspleite rechnen müssen? Natürlich nicht. Wir haben ja Ende 2008 gesehen, wie eine solche Situation enden kann.

Einfach ausgedrückt erwarte ich für Irland und Griechenland (vielleicht auch Portugal) ein bis zwei Jahre stetiger Rezession, bis dann schließlich die Pleite sowieso eintritt. Sie wird den kompletten Kollaps der dortigen Finanzsysteme zu Folge haben. Aus der Rezession wird eine schwere Depression. Die Arbeitslosigkeit wird auf über 25%, ja vielleicht sogar 30% hochschnellen. Der Lebenstandard der Iren und Griechen wird auf das Niveau von Ländern wie Portugal oder Tschechien zurückfallen (die sie vor ca. 10-15 Jahren noch überholt hatten).

All das wird das Resultat einer EU-Politik sein, die versucht, alle Kosten der Krise auf die PIGS-Länder abzuwälzen, sowohl in fiskalischer als auch in monetärer Weise. Anders ausgedrückt: Deutschland und Frankreich haben das Sagen in der EU und der Eurozone und wem das nicht gefällt, der soll halt schauen wo er bleibt! Früher sind so die mächtigen europäischen Staaten mit ihren Kolonien in Übersee umgegangen… Das nannte man damals “Ausbeutung” und “Imperialismus”.

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