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Die Zukunft der Zentralbanken

Wahrscheinlich bekommen die meisten Europäer nicht viel davon mit, dass in den USA derzeit eine recht feindliche Stimmung gegenüber der “Federal Reserve”, also der amerikanischen Zentralbank, herrscht. Scott Sumner schreibt auf seinem englischsprachigen Blog über eine neu erschienene Arbeit von Ökonomen, die die Federal Reserve recht harsch kritisieren.

In der Tat müssen sich Bernanke und Co. einiges an Kritik gefallen lassen. Persönlich hat Bernanke sicher nicht alles falsch gemacht. Ganz im Gegenteil, ich denke, dass er im Rahmen des herrschenden politischen Systems eine akzeptable Arbeit geleistet hat. Aber die Institution Zentralbank, übrigens nicht nur in den USA, auch die europäische EZB, hat in vielerlei Hinsicht enttäuscht, besonders wenn man einen längeren Zeitraum betrachtet.

Die Aufgaben der Zentralbanken sind gewöhnlich dreierlei:

1) Preisstabilität

2) Wachstum absichern und gegen Rezessionen vorgehen

3) Stabilität des Finanzsystems gewährleisten und Kreditgeber in letzter Not sein

Der erste Punkt mag mit einigen Abstrichen erfüllt worden sein. Zwar hat sich das Preisniveau in den USA in den letzten 60 Jahren versechsfacht und in Deutschland vervierfacht, glaube ich, aber geschah dies doch über einen sehr langen Zeitraum hinweg. Im Durchschnitt betrug die Inflation vielleicht 2-3% pro Jahr. Selbst einfache Anleger können sich auf so etwas einstellen und Verluste vermeiden. Lediglich die Siebziger gingen als Inflationsdesaster in die Geschichte ein, weil sich damals das Preisniveau ungefähr verdoppelte innerhalb von 10 Jahren.

Zu Punkt 2 kann man sagen, dass die Zentralbanken nur eine unterdurchschnittliche Leistung erbracht haben. Oft haben sie Krisen bloß hinausgezögert oder sogar angefacht, siehe jüngste Beispiele. Entgegen der gängigen Meinung brauchte es keine Zentralbanken, um die Pleitebanken 2008 zu retten. Die einzige Methode, mit der die Zentralbanken hätten (eventuell ein bisschen) helfen können, wäre eine vorübergehende (z.B. für 5 Jahre) Anhebung des Inflationsziels auf 10% pro Jahr gewesen. Dies hätte helfen können, den Schuldenberg der Banken und Staaten abzubauen und die Wirtschaft kurzfristig soweit zu stimulieren (durch den Überraschungseffekt), dass das Abgleiten in eine Deflationsspirale á la Oktober 2008 vielleicht nicht stattgefunden hätte. Logischerweise wäre eine solche Maßnahme sehr unbeliebt und wird daher wohl niemals von einer Zentralbank unternommen werden. Am wichtigsten waren aber sowieso die staatlichen Bankenrettungen. Ohne sie wäre es wohl so oder so zu einer heftigen deflationären Krise gekommen.

Zu Punkt 3 muss man wohl nicht viel sagen. Gescheitert.

Es bleibt also nicht viel gutes übrig. Andererseits hätte ein klassischer Goldstandard an Punkt 2 und 3 wohl auch nichts ändern können. Es ist eben nicht allein das Geldmittel entscheidend, sondern die Strukturen, in die es eingebettet ist. Es gäbe wohl nichts schlimmeres als ein Goldstandard mit Zentralbanken und einer expliziten Staatsgarantie für Pleitebanken. Übrigens funktioniert der Euro de facto wie der klassische Goldstandard. Genau das ist der Grund, warum er uns “Probleme” bereitet hat und nun unter Kritik steht. Natürlich war es nicht nur der Euro, der Griechenland und Irland zur übermäßigen Verschuldung animierte und Spanien eine riesige Häuserblase verpasste. Auch ohne den Euro wären diese Sachen höchstwahrscheinlich passiert. Allerdings hat der Euro diesen Staaten den Ausweg aus der Krise erschwert. In dieser Hinsicht ist der Euro sogar schlimmer als ein Goldstandard. Den Goldstandard konnten Pleitestaaten früher temporär aussetzen oder ganz abschaffen, da längst nicht alle Menschen Gold besaßen. Den Euro in einem Land wie Griechenland abzuschaffen ist dagegen nahezu unmöglich, zumindest wenn man das größte finanzielle Desaster aller Zeiten verhindern will.

Das Hauptproblem unserer Zeit liegt jedenfalls nicht so sehr im Papiergeld, als vielmehr in der Staatsgarantie und dem Konzept der Zentralbank. Beide verwandeln die Geldwirtschaft in einen Planungsapparat á la Sowjetwirtschaft, was offensichtlich noch nie gut funktionierte. Nun ist aber Geld eine so wichtige Sache, dass Politiker immer versuchen werden, Einfluss darauf zu nehmen. Es ist daher wohl abwegig, zu erwarten, dass man einfach so jegliche Einmischung in private Geldmärkte verhindern könne, auch wenn es die Idealvorstellung wäre.

Den Zentralbanken andere Ziele zu geben, zum Beispiel das Avisieren des nominalen Wirtschaftswachstums, wie es Scott Sumner und andere fordern, ist nur eine Detailfrage. Sie könnten die Performance bei Punkt 2 in meiner Liste etwas verbessern. Doch folgende Dinge hätten sich damit nicht verhindern lassen:

– Inflation

– Hauspreisblasen

– Große Bankenkrisen

– übermäßige staatliche Eingriffe in das Finanzsystem

– hohe Staatsverschuldung, bis hin zur Pleite

– Drang zu Handelsbeschränkungen von Seiten der Defizitnationen

Hier sind eher politökonomische Lösungsansätze gefragt, wie zum Beispiel verfassungsrechtliche Beschränkungen von Staatsbefugnissen hinsichtlich der Verschuldungsmöglichkeiten, der Eingriffe in den Freihandel, und der Eingriffe in Privatwirtschaft. Doch was die Menscheit nie komplett wird beseitigen können sind Preisblasen und daraus entstehende kleinere Bankenkrisen. Sie sind die Folge von Fehleinschätzungen und Überschwang, also von Menschlichkeit.

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