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Für und Wider NBIP-Targeting

Schlaue Leute sollte es nicht überraschen, dass das ökonomische Analphabetentum in Deutschland dazu führt, dass man mit einfachen Floskeln und Parolen besser bei der Öffentlichkeit punkten kann. So kommt es dann, wie hier gezeigt wird, seltenst zu einer ernsthaften Auseinandersetzung damit, was eigentlich ökonomisch sinnvoll oder machbar ist. Bei der Geldpolitik gehen die allermeisten Leute heutzutage davon aus, dass die Zentralbanken auf der ganzen Welt Geld ohne Ende drucken und daher Inflation nur eine Frage der Zeit sei. Dementsprechend kommen Forderungen nach “Nominal GDP Targeting” schlecht an, weil das vermeintlich nach noch mehr Inflation aussieht und weil es impliziert, dass die “Elite” bei den Zentralbanken bisher alles falsch gemacht und von Ökonomik nicht gerade viel Ahnung hat.

Allerdings möchte ich bei aller Liebe zu einem irgendwie gearteten Preisentwicklungspfad- oder Nominal-BIP-Ziel hervorheben, dass es im Leben nicht nur um die Frage gehen sollte, was machbar ist, sondern auch was ethisch akzeptabel ist in einer Gesellschaft, die auf liberal-rechtstaatlichen Prinzipien aufbaut. Es ist doch so: Die Grundlage einer “Blase”, oder besser: Fehlallokationen in bestimmten Wirtschaftszweigen (Häuser, IT, etc.), sind Fehlentscheidungen. Die Verantwortung für die daraus entstehenden Probleme sollten eigentlich diejenigen tragen, die sie veursachten bzw. in Kauf nahmen (ich weiss, was für eine verrückte Vorstellung in unserer heutigen Zeit, wo die Übertragung von Verantwortung auf andere ein alltäglich angewendetes Prinzip ist). Ein Mechanismus wie der des “Nominalen-BIP-Targetings” sieht aber vor, dass in Zeiten wie diesen die Konsumenten und Sparer über höhere Inflationsraten einen Teil der Zeche zahlen sollen.

Sicher kann man nie plumpe Trennungen durchführen, wie: Sparer vs. Investierer, Kapitalist vs. Arbeiter, heutzutage schon garnicht mehr. Wir sind irgendwie alle Sparer, Investierer, Kapitalisten und Arbeiter zugleich. Aber wenn man verhindern will, dass sich übermässiges Risiko und Nichtbeachtung von zukünftigen Kosten lohnt, dann sollte man die Schrauben dort ansetzen, wo die entsprechenden Entscheidungen gefällt werden. Einfach ausgedrückt: Die Finanzinstitute und Investoren sollten die Hauptlast tragen. Natürlich würden höhere Inflationsraten uns heutzutage helfen, den staatlichen und privaten Schuldenberg schneller abzubauen, aber vor allem auf Kosten derer, die vernünftig gespart haben. Die Leute, die tendenziell vorsichtiger waren sollen für die Leute haften, die tendenziell risikoreicher gehandelt haben? Damit überträgt man das Prinzip der Solidarhaftung ganzer Gesellschaften, was übrigens beim Thema Griechenland nicht gerade beliebt ist, auf die Geldpolitik.

Die Festsetzung eines Zielpfades für die Preisentwicklung ist daher aus ethischer Sicht gegenüber einem Nominalen-BIP-Zielpfad mit seinem (sicherlich gut funktionierenden) automatischen Ausgleichmechanismus zwischen Wachstum und Inflation zu bevorzugen. All diese Theorien leiden allerdings unter dem starken Fokus auf aggregierte Zustände. Gerade die “Blasen-“Krisen unserer Zeit zeigen uns, wie wichtig es wäre, die Preisentwicklung in einzelnen Teilbereichen der Wirtschaft besser zu verstehen. Die aggregierte Inflation hat ja offensichtlich herzlich wenig damit zu tun, ob sich irgendwo Blasen bilden oder nicht. In dieser Hinsicht scheinen jedoch die sonst eher belächelten und ausgegrenzten “Österreicher” die einzigen zu sein, die sich damit genauer befasst haben, und das schon vor fast hundert Jahren!

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